Immerhin für eine Stunde wird es am nächsten Samstagabend dunkel sein. Während der sogenannten «Earth Hour» geht an vielen Orten auf der Welt das Licht aus, beim Empire State Building in New York oder dem Eiffelturm in Paris.

Auch in der Schweiz machen Städte und Gemeinden bei der Aktion mit, um ein Zeichen für mehr Natur- und Klimaschutz zu setzen. Das grosse Lichterlöschen passt aber auch gut zu einer anderen Problematik, der oft nur wenig Beachtung geschenkt wird: die zunehmende Lichtverschmutzung – und das damit verbundene Verschwinden der natürlichen Dunkelheit.

Die Ursache dieser Entwicklung: Es gibt immer mehr künstliches Licht in der Schweiz. Das hat mit dem technischen Fortschritt zu tun, der Siedlungsentwicklung und dem Wandel hin zu einer 24-Stunden-Gesellschaft. Strassen und Gassen werden erhellt, aber auch anderes wie Fussballplätze, Skipisten, Bahnhöfe, Schaufenster, Stadien, Berggipfel oder Denkmäler.

Von dort breitet sich das Licht aus, es strahlt in die Ferne, über Städten entstehen sogenannte Lichtglocken. «Im extremsten Fall kann künstliches Licht auch in einer Distanz von 195 Kilometern noch Auswirkungen haben», sagt Lukas Schuler, Präsident des Vereins Dark-Sky-Switzerland, der sich hierzulande gegen die Lichtverschmutzung engagiert. «Das ist ein grosses Problem», sagt Schuler.

Doppelt so viele Lichtemissionen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) haben sich die Lichtemissionen zwischen 1994 und 2012 mehr als verdoppelt, wie dem Bericht «Wandel der Landschaft» von 2017 zu entnehmen ist. Gleichzeitig ist die Fläche mit Nachtdunkelheit gesunken, von knapp 30 Prozent auf knapp 20 Prozent. Neuere Zahlen gibt es keine. Entschärft haben dürfte sich die Situation aber nicht. Insbesondere im Mittelland und Jura gebe es heute keine ausgedehnten und natürlich dunklen Gebiete mehr, heisst es beim Bafu.

Diese Entwicklung bringt zum Teil gravierende Probleme mit sich: für die Natur, die Tiere und die Menschen. Nachtaktive Tiere werden durch künstliches Licht gestört, Zugvögel verlieren ihre Orientierung und Insekten verenden an den Lichtquellen. Menschen wiederum klagen über Schlafstörungen, weil durch das viele Licht ihre innere Uhr gestört wird.

Andere gesundheitliche Folgen werden noch erforscht. Beim Bund ist man sich dieser Auswirkungen bewusst – und hat reagiert. Zwar gibt es für das Licht im Gegensatz etwa zum Lärm keine gesetzlich verankerten Grenzwerte. Auch hat die Landesregierung im vergangenen November abgelehnt, die Natur- und Heimatschutzverordnung zu ändern, um den Schutz von Arten und Lebensräumen zu verbessern.

Das Bundesgericht hat in zwei Leitentscheiden jedoch festgehalten, dass auch für Licht eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr anzustreben sei, sofern es sich nicht um sicherheitsrelevantes Licht handelt. Laut Lukas Schuler von Dark-Sky-Switzerland hapert es jedoch noch mit der Durchsetzung, zudem sind Ausnahmen möglich. Das Bafu arbeitet darum zurzeit an einer neuen Vollzugshilfe mit Empfehlungen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Sie richten sich an die in die Planung, Beurteilung, Bewilligung oder Betrieb von Beleuchtungen involvierten Personen wie Behördenvertreter, Lichtplaner und Hausbesitzer. Die Empfehlungen sollen ihnen helfen, die «geeigneten und erforderlichen Massnahmen zur Vermeidung oder Verminderung unerwünschter Lichtemissionen» zu treffen.

Schuler sagt, er warte sehnsüchtig auf die neue Vollzugshilfe – sie hätte bereits 2018 publiziert werden sollen, kommt nun aber erst Ende 2019. Er erhofft sich viel von den neuen Empfehlungen: «Sie werden die Durchsetzung der Vorschriften verbessern», sagt er. Einige Gemeinden hätten zwar Fortschritte gemacht, andere hätten jedoch noch Nachholbedarf.