Kommentar

Die Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft sind gestiegen

Ein Bauer spritzt Mittel, um seine Pflanzen zu schützen.

Ein Bauer spritzt Mittel, um seine Pflanzen zu schützen.

Kommt das Parlament den Anliegen der «Trinkwasser-Initiative» und der Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» genügend entgegen, haben diese an der Urne gute Chancen.

Zwei Initiativen treiben Bauern und Politik vor sich her. Unter dem Strich wollen «Trinkwasser-Initiative» und Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» dasselbe: Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft reduzieren.

Auch der Bundesrat ist unter dem Druck der populären Anliegen in die Gänge gekommen. Mit seiner Agrarpolitik 2022 will er die Landwirtschaft umweltverträglicher machen. Er hat gemerkt, dass er konkrete Massnahmen zur Reduktion des Pestizideinsatzes ergreifen muss, um die Initiativen, die ihm zu weit gehen, zu bekämpfen.

Auch bei der Überdüngung, dem grössten Problem des Sektors, will Landwirtschaftsminister Guy Parmelin verbindliche Reduktionsziele ins Gesetz schreiben. Seit 20 Jahren haben die Bauern dies erfolgreich blockiert.

Das Parlament diskutiert nun eine Art indirekten Gegenvorschlag, der genau diese Regeln beinhaltet. Die Bauernlobby ist über das Taktieren der Linken verärgert. Diese hat die Überdüngung im letzten Moment noch eingebracht.

Bei allem Widerstand sollten die Bauernvertreter den Sinn des Gegenvorschlags nicht aus den Augen verlieren. Es ist ein Versuch, Volksbegehren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gelingt dies nicht, haben die Initiativen an der Urne gute Chancen.

Denn die Erwartungen der Bevölkerung an die Landwirtschaft sind gestiegen – Berichte über dezimierte Artenvielfalt, Bienensterben und mit Pestiziden durchsetztes Trinkwasser zeigen ihre Baustellen schonungslos auf.

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