Nachruf

Die FDP verliert eine Vorkämpferin für die Frau

Christiane Langenberger in einer Aufnahme von 2002.

Christiane Langenberger in einer Aufnahme von 2002.

Jahrelang kämpfte Christiane Langenberger für die Sache der Frau. Nun starb die einstige Präsidentin der FDP Schweiz.

«Sie hatte ihren englischen Teint, war elegant, herzlich und strahlend wie immer»: So erinnert sich alt Bundesrat Pascal Couchepin an seine letzte Begegnung mit Christiane Langenberger, die noch gar nicht lange zurückliegt.

«Moderater Feminismus»

Von ihrer Krebserkrankung, an welcher die 74-Jährige am Montagabend gestorben ist, wusste Couchepin nichts. Und er sah diese ihr damals auch nicht an. Couchepin erzählt: «Christiane war schon immer eine Kämpferin.» Das erhielt der Walliser am eigenen Leib zu spüren, als es 1998 um
die Nachfolge von Jean-Pascal Delamuraz ging. Die Waadtländer Freisinnige brachte den Walliser Freisinnigen vier Wahlgänge lang ins Schwitzen. Erst im fünften Anlauf wurde Couchepin schliesslich statt der Frau zum Bundesrat gewählt.

Dass sich Christiane Langenberger trotz geringer Wahlchancen zu Wahl stellte, verwundert den ehemaligen Präsidenten der FDP Waadt und damaligen Nationalratspräsidenten Yves Christen nicht. «Christiane, die stets für die Sache der Frau gekämpft hat, konnte gar nicht anders als hinzustehen für eine Frauenkandidatur.» Sie hatte das Etikett einer «bürgerlichen Feministin» lange vor ihrer Wahl in den Nationalrat durch unermüdliches Engagement in Vereinen, Organisationen und später in der Partei über Jahre hinweg gefestigt. Und so, blickt Christen zurück, habe sie zahlreichen Frauen die Türe geöffnet.

Die freisinnige Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret bezeichnet Langenberger und ihren «moderaten Feminismus» als Modell für viele junge Frauen; sie habe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Pionierarbeit geleistet. Christen ergänzt, dass Langenberger selber stets vorangegangen sei. So konnte die Mutter von drei Kindern, die lange Familienfrau gewesen war, bei ihrem späten Einstieg in die Politik auf die Unterstützung ihres Mannes zählen. Christen sagt: «Politik war bei Langenbergers eine Familienangelegenheit.»

1983 brachte Langenberger der nicht gewählten SP-Bundesratskandidatin Liliane Uchtenhagen ein Lebkuchenherz in das Bundeshaus – es war der Auslöser für Langenbergers Entschluss, sich schliesslich selber in der Politik zu engagieren. Erst 1984 wurde sie nämlich Mitglied der FDP Waadt. Trotz fehlendem Beziehungsnetz und ohne die traditionelle «Ochsentour» schaffte sie es in die Gemeindeexekutive von Romanel-sur-Morges, ins Kantonsparlament und 1995 nach Bundesbern; 1999 wurde sie die erste freisinnige Ständerätin.

Humanistische FDP-Chefin

Schon die Geste gegenüber Uchtenhagen zeigte, dass die Waadtländerin, die in Bern zweisprachig aufgewachsen war, im Herzen eine Brückenbauerin war. Couchepin erkennt darin auch eine erfrischende politische Struktur; Christen spricht von einem Freisinn humanistischer Prägung, welchen er selber teile. Langenberger hatte diese Eigenschaft jedenfalls bitter nötig, als sie 2003 als erste Frau an die Spitze der tief gespaltenen FDP Schweiz gewählt wurde – übrigens gegen die als Favoritin gesetzte Zürcherin Trix Heberlein. Einmal mehr hatte die charmante, aber entschlossene Waadtländerin alle überrascht. Auch sich selber. Sie habe mit einer ehrenvollen Niederlage gerechnet, sagte sie nach der Wahl.

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