Bettina Hamilton-Irvine, Matthias Kessler und Sandro Zimmerli

In Birmensdorf sorgt ein Quartier für Aufregung: Mindestens 300 Personen aus den Ortsteilen Sternen, Haslen und Stöcken möchten lieber zum benachbarten Uitikon gehören - und haben zu diesem Zweck eine Petition unterschrieben. Laut der Initiantin geht es dabei weniger um eine Verbesserung der Steuersituation als vielmehr um ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl zur Uitiker Gemeinde.

Dass sich andere Limmattaler Quartiere ähnliche Gedanken machen, könnte man sich gut vorstellen - allen voran die Fahrweid, welche geografisch am nächsten bei Dietikon liegt, politisch jedoch teilweise zu Weiningen, teilweise zu Geroldswil gehört. Doch weit gefehlt: Dass sich das ganze Quartier Fahrweid politisch einer Gemeinde anschliesse, sei noch nie ein Thema gewesen, sagt Hans-Ulrich Furrer vom Quartierverein Fahrweid mit Überzeugung: «Wir fahren nicht schlecht, so wie es jetzt ist.» Vorher würde man sich überlegen, eine eigenständige Gemeinde zu werden, sagt Furrer: «Doch in der heutigen Zeit, wo man alles zusammenschliesst, kommt das nicht infrage.»

Situation historisch gewachsen

Dass die Fahrweider Situation «etwas aussergewöhnlich» sei, gibt Furrer, der für den Quartierverein im Weininger Gemeinderat sitzt, gerne zu. «Doch man hat sich daran gewöhnt und das Ganze klappt gut.»

Das kann der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug so nur unterschreiben: «Die Situation ist historisch gewachsen. Traditionell ist die Fahrweid schon immer so aufgeteilt gewesen», sagt er. Eine Verschiebung der Gemeindegrenze sei «gar kein akutes Thema».

Zufrieden mit dem Status quo ist man laut Gemeindepräsident Jakob Hofstetter auch in Aesch - obwohl auch dort unter gewissen Gesichtspunkten ein Anschluss der knapp 1000 Aescher Einwohner an die Gemeinde Birmensdorf Sinn machen könnte. Doch davon will Hofstetter nichts wissen: «Wir fahren gut mit unserer Situation, wie sie ist.» Dort, wo es Sinn mache - zum Beispiel bei der Oberstufenschule oder der Kirche - sei Aesch ja bereits mit Birmensdorf zusammengeschlossen. «Das funktioniert gut so und mehr ist nicht nötig», meint Hofstetter.

«Lustige Gedankenspiele»

Eine ähnliche Meinung vertritt man in Oberengstringen. Dort wurde unlängst an der Zukunftskonferenz der Wunsch geäussert, über eine Fusion mit Unterengstringen nachzudenken (Ausgabe vom 1. Dezember). Dass einzelne Quartiere, wie beispielsweise der Rehpark, Abwanderungsgelüste Richtung Nachbarsgemeinde haben könnten, ist für Oberengstringens Gemeindepräsident Reto Cavegn aber nicht vorstellbar: «Oberengstringen ist zwar ein langgezogenes Dorf, aber abgeschnittene Quartiere wie in Birmensdorf gibt es bei uns nicht.»

Dass der Steuerfuss, der in Unterengstringen mit 95 Prozent 17 Prozentpunkte tiefer liegt als in Oberengstringen, eine Verlockung darstellen könnte, die Gemeinde zu wechseln, sei vorstellbar. «Allerdings halte ich ein solches Szenario für unrealistisch», so Cavegn.

Unterengstringens Gemeindepräsident gibt zu, dass solche Diskussionen «lustigen Gedankenspielen» gleichkommen, mehr aber nicht. In den Gemeinden rechts der Limmat seien Fusionen oder Teilfusionen kein Thema. «Leute, die solche Forderungen stellen, sind wenig vertraut mit dem historischen Hintergrund. Noch sind die Einwohner der einzelnen Gemeinden zu fest in ihrer historisch gewachsenen Identität verwurzelt», so Trombik. Zudem würden alteingessene Unterengstringer wohl eher zu einem Zusammenschluss mit Weiningen als mit Oberengstringen tendieren. Woher diese Affinität komme, wisse er allerdings nicht.

Über die Kantonsgrenzen hinaus

Die Stadt Dietikon wiederum könnte nicht nur im Norden um die Fahrweid wachsen, denkbar wäre insbesondere eine Ausdehnung gegen Süden, über die Kantonsgrenze zum Aargau hinaus, auf den «Berg» - was gleichbedeutend wäre mit der von Napoleon verfügten Grenzziehung im Jahr 1803. Verschiedentlich wurde in den letzten Jahren über eine nähere Anbindung des Bezirkshauptorts mit Bergdietikon gesprochen. Zuletzt beschäftigte sich der Dietiker Stadtrat aufgrund einer Interpellation von CVP-Gemeinderat Josef Wiederkehr mit den Synergien zwischen den Gemeinden.
Gründe für einen Zusammenschluss sind neben der Nähe der Gemeindenamen nicht nur die vielen Dietiker, die sich mittlerweile in Bergdietikon niedergelassen haben, sondern insbesondere auch die vielen bereits eingegangenen Kooperationen. So ist Bergdietikon Mitglied des Zivilstandskreises Dietikon, beteiligt sich an der Dietiker Stadtbibliothek, am Zivilschutz, an der Stützpunktfeuerwehr und bezieht ebenfalls gegen Bezahlung einen Teil des Wassers aus Dietikon.

Trotzdem sieht der Dietiker Stadtrat keine Veranlassung, wie er in seiner Antwort auf die Interpellation erklärte, Fusionsgespräche aufzunehmen.