Unter der Bundeshauskuppel amten seit gestern drei neue Nationalratsmitglieder aus dem Kanton Bern. Für Aline Trede (Grüne) ist es nach der überraschenden Abwahl bei den Erneuerungswahlen im Herbst 2015 eine Rückkehr nach Bundesbern. Für die beiden SP-Mitglieder Flavia Wasserfallen – bis vor Kurzem Co-Generalsekretärin der Partei – und Adrian Wüthrich ein weiterer Karriereschritt.

Während sich die beiden Frauen seit Jahren bereits auf dem nationalen Polit-Parkett bewegen, betritt Adrian Wüthrich dieses nun erstmals selber. Im Berner Oberaargau aufgewachsen, wohnt der Vater zweier Kinder noch immer in Huttwil und vertritt damit die gemässigte Land-SP. Oder eben die rechte Linke. Bundeshaus-Luft schnupperte der 38-Jährige allerdings bereits vor Jahren, nämlich als langjähriger persönlicher Mitarbeiter des ehemaligen Solothurner Ständerats und Eisenbahner-Gewerkschafters Ernst «Aschi» Leuenberger. Später stand der Betriebs- und Politikwissenschafter in Diensten der SRG.

Hauptberuflich Politik betreibt Adrian Wüthrich seit 2015. Damals wurde er zum Präsidenten und Geschäftsführer der Gewerkschafts-Dachorganisation Travailsuisse gewählt. Nebst der jährlichen Studie zu Managerlöhnen und den traditionellen Forderungen bei Lohnverhandlungen macht Travailsuisse seit ein paar Jahren vorab mit Forderungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Schlagzeilen. Die hängige Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub stammt ebenso aus deren Küche wie die vom Volk 2012 versenkte Initiative für «Sechs Wochen Ferien für alle».

Am Ende der Ochsentour

Zuletzt direkt in Bundesbern Einfluss nehmen konnte Travailsuisse mit dem früheren Präsidenten Hugo Fasel (CSP/Freiburg). Nun, nach einer traditionellen, bald zwei Jahrzehnte dauernden Ochsentour mit Stationen im Huttwiler Gemeinderat und im bernischen Grossen Rat, hat Adrian Wüthrich sein Ziel erreicht. «Das Verrückte ist», sagte er kurz vor dem Nachrücken zur «Berner Zeitung»: «Die Themen sind noch immer dieselben wie damals, als wir in die Politik eingestiegen sind.»

Während Wasserfallen und Trede für die in den Berner Regierungsrat gewählte Evi Allemann (SP) und Christine Häsler (Grüne) nachrutschen, folgt Wüthrich auf den kürzlich im Amt verstorbenen Nationalrat Alexander Tschäppät.