Bahnchaos

Droht nun das Bahnchaos?

Ab dem 11. Januar wird der SBB-Adlertunnel saniert – die Baselbieter Behörden wussten von nichts.

Adlertunnel

Ab dem 11. Januar wird der SBB-Adlertunnel saniert – die Baselbieter Behörden wussten von nichts.

Während der Sanierung ist der Tunnel nur beschränkt befahrbar – oder gleich ganz gesperrt. Züge werden über die Ergolztallinie umgeleitet. Doch diese gilt bereits heute als ausgelastet.

Daniel Ballmer

«Die SBB sind eben ein Monopolbetrieb. Sie können machen, was sie wollen.» Der Prattler Gemeinderat Felix Knöpfel klingt resigniert. Letztlich werde die Gemeinde einfach immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. So auch beim Adlertunnel zwischen Muttenz und Liestal. Dass dieser saniert werden muss, ist schon lange klar. Nun steht auch fest, dass die ersten Arbeiten am 11. Januar 2010 starten sollen.

Darüber aber wollen weder die Standortgemeinden noch die Baselbieter Kantonsbehörden informiert worden sein. Knöpfel: «Diese Informationspolitik sorgt immer wieder für Ärger.» SBB-Sprecher Roman Marti widerspricht: «Die Projekte mit den Realisierungsterminen lagen öffentlich auf.»

Hintergrund: Beständig drückt quellender Gipskeuper den Adlertunnel nach oben - am stärksten auf einem Abschnitt von rund 40 Metern einen Kilometer vom Nordportal entfernt. Das Innengewölbe wurde stark geschädigt und musste notfallmässig ausgebessert werden, um den weiteren Betrieb gewährleisten zu können. Das Problem ist bereits bekannt aus dem Belchen- und aus dem Chienbergtunnel.

2005 mussten die SBB bekannt geben, dass eine Sanierung des knapp neun Jahre alten Adlertunnels unausweichlich ist. Auf einer Länge von 40 Metern wird das Innengewölbe durch einen massiven Betonriegel ersetzt, der zusätzlich über 15 Meter lange Felsanker mit dem Berg verspannt wird. Seit kurzem liegt die Plangenehmigungsverfügung des Bundesamts für Verkehr vor. Und erstmals sind nun auch die geschätzten Gesamtkosten bekannt: 15,5 Millionen Franken.

Nun soll es rasch vorwärts gehen: Im Januar sollen die Vorarbeiten starten, im Februar die eigentlichen Sanierungsarbeiten. Bis Mitte Oktober soll dann die Instandsetzung abgeschlossen sein. In dieser Zeit kann der Tunnel nur noch eingleisig befahren werden. An vier Wochenenden soll er gleich ganz gesperrt werden: zweimal im Januar und jeweils einmal im Juni und im Oktober.

«An den betreffenden Wochenenden leiten die SBB alle Personenzüge via Pratteln um», führt Mediensprecher Marti aus. «Die Ankunftsverspätung in Basel SBB beträgt aufgrund der längeren Distanz und Zugfolgedistanzen bis zu sechs Minuten.» Die betrieblichen Auswirkungen hatten die SBB dennoch stets als «verhältnismässig gering» bezeichnet.

Genau dies aber bezweifelt Gemeinderat Knöpfel: «Die SBB-Linie durchs Ergolztal gilt schon heute als stark ausgelastet. Schon heute ist bei der kleinsten Panne der dichte Fahrplan nicht mehr einzuhalten.» Da ist es für Knöpfel schwer vorstellbar, wie zusätzliche Züge von der Adlertunnellinie auch noch durch den Bahnhof Pratteln hindurch geschleust werden sollen.

SBB-Sprecher Marti versucht zu beruhigen: «Damit die Kundinnen und Kunden trotz Instandsetzungsarbeiten rasch an ihr Ziel gelangen, werden temporär mehr Züge auf dieser Strecke verkehren müssen.» Der Güterverkehr dagegen werde primär unter der Woche und nachts abgewickelt. An Wochenenden fahren dagegen wesentlich weniger Güterzüge, entsprechend falle die Sperrung des Adlertunnels während dieser Zeit für den Güterverkehr weniger ins Gewicht, argumentiert Marti.

Noch geben sich die Baselbieter Kantonsbehörden diplomatisch: «Die SBB haben uns zugesichert, dass der Betrieb der Schnellzüge via Pratteln wie angekündigt funktionieren wird», sagt der ÖV-Beauftragte Markus Meisinger. «Wir gehen davon aus, dass dies der Fall sein wird.» Als Bestellerbehörde des Regionalverkehrs müsse sich die Kantonsverwaltung auf die betrieblichen Zusicherungen der Transportunternehmen verlassen.

«Die Umsetzung des Betriebskonzepts liegt in den Verantwortung der Transportunternehmen», betont Meisinger. Klartext dagegen spricht Gemeinderat Knöpfel: «Bisher haben die SBB den Beweis nicht erbracht, dass diese Verkehrsverlagerung funktionieren wird. Ich bin überzeugt, dass dies Probleme geben wird.»

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