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Ecopop: Hilfswerke glauben nicht an Pillenknick in Afrika

Freiwillige Helfer demonstrieren in Südafrika die Anwendung eines Kondoms. (Symbolbild)

Freiwillige Helfer demonstrieren in Südafrika die Anwendung eines Kondoms. (Symbolbild)

200 Millionen Franken für Kondome in Afrika – so lautet überspitzt eine Forderung der Ecopop-Initiative. Keine gute Idee, finden die Hilfswerke. Vielmehr brauche es alternative Entwicklungsmöglichkeiten für die Frauen.

Die Ecopop-Initiative soll nicht nur das Bevölkerungswachstum in der Schweiz, sondern auch im Ausland eindämmen.

Deshalb fordern die Initianten, dass zehn Prozent der Schweizer Entwicklungshilfe in die Programme für die freiwillige Familienplanung fliessen.

Die Initianten denken dabei insbesondere an Aufklärungsunterricht und die Verbreitung von Verhütungsmitteln. Zehn Prozent der Entwicklungshilfe des Bundes entsprechen derzeit rund 200 Millionen Franken pro Jahr.

Für die Initianten ist es ein Akt der Solidarität, dem Menschenrecht auf freiwillige Familienplanung Achtung zu verschaffen. Sie sehen darin eine Win-win-Situation:

Einerseits wird die Zahl der heute auf 80 Millionen ungewollten Schwangerschaften gesenkt und die Gesundheit der Mütter verbessert, andererseits das Bevölkerungswachstum und damit die Umweltbelastung reduziert.

Bildung als Schlüssel

Allein: Diese Ansicht wird von den Schweizer Hilfswerken nicht geteilt. Sie lehnen die Ecopop-Initiative ab. Dabei anerkennt Helvetas-Sprecher Matthias Herfeldt durchaus, dass in gewissen Entwicklungsländern die hohe Kinderzahl ein Problem ist.

Und dass in den Regionen, wo Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben – gemäss dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sind es 215 Millionen Frauen –, zusätzliche Anstrengungen bei der freiwilligen Familienplanung sinnvoll sind.

Allerdings sehen die Hilfswerke die Familienplanung als eines von vielen Instrumenten im Rahmen von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen. «Unsere Erfahrung zeigt, dass Investitionen in die Bildung von Frauen der Schlüssel für eine tiefere Geburtenrate ist», sagt Herfeldt.

Geert van Dok von der Fachstelle Entwicklungspolitik des Hilfswerks Caritas fügt an, dass die Fixierung der Frauen auf eine möglichst hohe Anzahl Kinder sinke, sobald sie eine Alternative zur klassischen Rolle als Mutter und Hausfrau bekämen. In vielen von Armut geprägten Ländern sind zudem Kinder weiterhin eine Lebensversicherung für die Eltern. Doch mit dem Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit sinke zeitverzögert auch die Geburtenrate.

Dass die Verbesserung der Rolle der Frau in Entwicklungsländern zur Senkung der Kinderzahlen führt, bestreitet Ecopop nicht. Indes: «Erst wenn auch Aufklärung und Verhütungsmittel zur Verfügung stehen, können sich Frauen voll bilden und selbstbestimmt leben», schreiben die Initianten auf ihrer Webseite. Sie argumentieren mit dem Pillenknick in Europa und Nordamerika. Erst dank Verhütungsmitteln sei es jungen Frauen in den 60er-Jahren möglich geworden, in grosser Zahl an Hochschulen zu strömen oder anspruchsvolle Berufsbildungen zu absolvieren.

Für van Dok sticht diese Argumentation nicht: «Den Pillenknick eins zu eins auf Niger und Mali zu übertragen, finde ich sehr gewagt.» Er erinnert an die starken Frauenbewegungen, an den gesellschaftlichen Umbruch. Und er zweifelt, dass alleine das Verteilen von Verhütungsmitteln in Gesellschaften mit patriarchalischen Strukturen auf Akzeptanz stösst: «Im Rahmen von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen die Familienplanung anzusprechen, ist erfolgversprechender.»

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