Glosse

Ein Hoch auf unsere Skandälchen, ein Hoch auf unsere Armee!

Den Kühen gefällts, den Franzosen weniger: Ein Super Puma bringt Wasser.

Den Kühen gefällts, den Franzosen weniger: Ein Super Puma bringt Wasser.

Kuhwasser aus Frankreich und Leuchtraketen nach Liechtenstein – dank der Armee gibts auch hierzulande etwas Action.

Die Spanier, sie haben einen König, der – wenn er nicht gerade zusammen mit seiner Geliebten auf botswanische Elefanten schiesst – kein Blatt vor den Mund nimmt. «¿Por qué no te callas?», auf gut Deutsch so viel wie «Warum hältst du nicht die Fresse?», fragte Juan Carlos 2007 Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez. Die Folge? Eine diplomatische Verstimmung.

Die Iraner, sie haben eine Regierung, die gerne mal die Muskeln spielen lässt. Zwei Stunden musste die Maschine der deutschen Kanzlerin Angela Merkel 2011 über dem türkischen Luftraum drehen, bis die iranischen Behörden endlich die Überflugrechte für die Weiterreise nach Indien erteilten. Die Folge? Eine diplomatische Verstimmung.

Die Briten, sie haben eine Musikgruppe, die zeitweilig allen den Kopf verdrehte. Als sich die Beatles 1964 nach einem Konzert in Washington in der britischen Botschaft zeigten, wurden sie Opfer von amerikanischen Trophäenjägern. Ringo Starr soll dank einer flugs eingesetzten Nagelschere gar eine Locke seines Pilzkopfs entwendet worden sein. Die Folge? Eine diplomatische Verstimmung.

Und wir, was haben wir Schweizer schon zu bieten? Könige sind bei uns verpönt, sofern sie nicht «King Roger» heissen. Skyguide hat nicht den Ruf, sich von politischen Befindlichkeiten leiten zu lassen. Und wenn jemand Stephan Eichers Kinnbärtchen rasieren würde, es schlüge sich wohl kaum in den diplomatischen Akten nieder.

Ok, Chinas Präsident Jiang Zemin war bei seinem Staatsbesuch von 1999 not amused, als tibetische Aktivisten auf Berns Hausdächern Spruchbänder entrollten.

Aber für die richtig drolligen Skandälchen unseres Landes sorgt eigentlich nur die Schweizer Armee.

53 Kubikmeter Wasser tankten die Militärpiloten vor einer Woche in den Wasserbehälter ihres Super Pumas, um damit die durstigen Kehlen von Waadtländer Kühen zu benetzen. Dumm nur: Der See, aus dem sie das Wasser schöpften, befindet sich auf französischem Boden. Der Präfekt schaltete sich ein, dann das Verteidigungsdepartement in Paris. Der Schweizer Armee blieb nichts anderes übrig, als sich mit einer kleinlauten Erklärung für das Missgeschick zu entschuldigen.

Der Waldbrand im Ländle

Es ist nicht das erste Mal, dass sich unsere Wehrmänner verirrten: 2007 drangen 170 schwer bewaffnete Soldaten während einer Nachtübung in liechtensteinisches Hoheitsgebiet vor. Sie hatten bei den widrigen Wetterbedingungen – es war dunkel, windig und nass – nicht bemerkt, dass sie über die grüne Grenze geschritten waren.

Noch ärger trieben es Schweizer Artilleristen 1985: Trotz Föhnsturm feuerten sie Leuchtraketen auf einen Bannwald im Ländle. Resultat: Ein Waldbrand, offizielle Entschuldigungen aus Bern – und eine Entschädigungszahlung in Millionenhöhe.

Immerhin: Das Fürstentum verzichtete in beiden Fällen auf den direkten militärischen Gegenschlag. Es hat keine Armee.

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