Es würden immer öfter Zweifel an diesem multilateralem Ansatz laut, sagte Merkel in einer Rede in Davos. Nach dem Motto, es sei besser, jedes Land schaue erst einmal für sich nach den eigenen Interessen, und dann würde es auch für alle gut. "Ich habe daran Zweifel." Sie vertrete den Ansatz, für einander mitzudenken.

Auch gebe es die Ansicht, dass Kompromisse etwas Schlechtes seien. Eine globale Architektur werde jedoch nur funktionieren, "wenn wir bereit sind, Kompromisse zu schliessen". Multilateralismus sei nicht mühelos, aber was wäre die Alternative, fragte die Bundeskanzlerin.

Brexit-Schock verdauen

Mit Blick auf die Europäische Union mahnte sie zudem, diese müsse viel stärker einsetzen, dass diese multilaterale Ordnung nicht in der EU ende. Sie beklagte das Fehlen einer einheitlichen Stimme nach aussen: es gebe keine einheitliche Russland-, USA- oder Chinapolitik. Das brauche es aber, um ernst genommen zu werden.

So habe sie einmal einen Europäischen Sicherheitsrat vorgeschlagen. Das seien Instrumente, die es brauche, um nicht immer einen ewig langen Prozess durchlaufen zu müssen.

Indes müsse die EU nun erst einmal den Schock verdauen, dass Grossbritannien aus der Gemeinschaft austritt. Sie hoffe, dass dies in geregelter Form passiere. Eine gute Partnerschaft wäre zum Wohle aller, und für den Handelsraum seien unkomplizierte Beziehungen umso besser. Aber das liege eben auch in der Hand von Grossbritannien, sagte Merkel.