Seit diesem Samstag geht es wieder mit Dampf über die Furka. Bis Anfang Oktober verkehren Züge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) von Realp nach Oberwald, gezogen von verschiedenen historischen Dampflokomotiven.

Nachdem die Furka-Bergstrecke stillgelegt worden war, nahm sich der gleichnamige Verein ab 1986 der Wiederherstellung an. Sechs Jahre später konnte die Strecke etappenweise wieder in Betrieb genommen werden, 2010 war die Vollendung und Wiedereröffnung der ganzen Bergstrecke vollbracht. Seither gehören historische Dampflokomotiven auf der Furka zum gewohnten Bild.

Wenn nun aber am Dienstag 25. Juni am Bahnhof Oberwald das typische Pfeifgeräusch der Dampflokomotive erklingt und grauer Rauch zum Himmel steigt, dürfte das selbst für langjährige Fans historischer Lokomotiven eine kleine Sensation sein. Dann nämlich setzt eine besondere Dampflokomotive mit einer besonderen Geschichte zur Jungfernfahrt an: die Lok HG 4/4 Nummer 704.

Nach 67 Jahren aus Vietnam zurückgeholt

Die Lokomotive war 1923 von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur nach Indochina, dem heutigen Vietnam, geliefert worden, wo sie – zusammen mit weiteren Lokomotiven der SLM – bis zur Stilllegung der Bahn 1976 im Einsatz war. Im Rahmen der geplanten Wiederherstellung der Furka-Bergstrecke reiste der in Göschenen wohnhafte Ralph Schorno 1988 im Auftrag der DFB nach Vietnam, um nach den Lokomotiven im Exil zu suchen. Mit Erfolg: Während er die Strecke ablief, stiess er auf die Maschinen aus der Schweiz. Schorno erinnert sich:

Die anderen Lokomotiven, darunter drei komplette Loks, wurden 1990 in einer spektakulären Aktion mit dem Namen «Back to Switzerland» unter Schornos Leitung vom zentralvietnamesischen Hochland in die Schweiz zurückgeholt.

Die Dampflok Nummer 704 des Typs HG 4/4 wurde zwischen 2006 und 2018 von Fachleuten der DFB-Dampflokwerkstatt in Chur und danach in Uzwil revidiert. 52000 Stunden Freiwilligenarbeit und rund 2 Millionen Franken waren nötig, bis die Lok zur Neuzulassung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) antreten konnte. Denn obwohl die Maschine in der Schweiz produziert wurde, war sie nie hierzulande im Einsatz. Ende 2018 erteilte das BAV der Lok schliesslich die Bewilligung, sodass der Inbetriebnahme auf die diesjährige Saison nichts mehr im Weg stand.

Für regelmässigen Einsatz braucht es mehr Personal

Durch die vier Achsen und vier Triebachsen – daher die Bezeichnung 4/4 – hat die neue Lok mehr Kraft als die bisherigen Maschinen auf der Furka-Bergstrecke. Mehr noch: Mit der durch das BAV zugelassenen Zuglast von 70 Tonnen kann sie nicht nur einen Wagen mehr ziehen als ihre Mitstreiterinnen auf der Furka-Bergstrecke; sie gilt damit gar als Europas stärkste Schmalspur-Dampflok.

Können künftig also mehr Passagiere befördert werden? Peter Riedwyl, Präsident der Stiftung Furka-Bergstrecke, relativiert: Man könne mit der neuen HG 4/4 zwar 190 Plätze verkaufen. «Hat die Lok aber eine Panne, müssten wir einen Teil der Passagiere kurzfristig stehen lassen», so Riedwyl. Erst in voraussichtlich drei Jahren, wenn auch die zweite Lok des selben Typs – sie wurde ebenfalls von Vietnam zurückgeholt – im Einsatz steht, können die beiden HG 4/4 wirtschaftlich ein Erfolg sein.

Mit den zurückgeholten Vietnam-Veteraninnen sei der Bestand an Zugmaschinen nun komplett und genügend, auch wenn eine Maschine wegen Revisionsarbeiten vier bis fünf Jahre ausfalle. «Was uns nun noch fehlt, sind Lokführer.» Derzeit leisten 25 ausgebildete Lokführer Frondienst auf der Strecke. Kommt hinzu, dass ein Lokführer auf jeden Maschinentypen einzeln ausgebildet und zugelassen werden muss – so auch auf die HG 4/4. Da bis jetzt lediglich zwei Lokführer die neuste Vietnam-Rückkehrerin fahren dürfen, braucht es noch weiteres Personal, damit sie auch regelmässig auf der Furka-Bergstrecke zum Einsatz kommen kann.