Loris Vernarelli

Der Bund geht gegen Engpässe auf dem Nationalstrassennetz vor: Er will in den kommenden zwanzig Jahren 5,5 Milliarden Franken investieren, um die Kapazitäten der Nationalstrassen mittels zusätzlicher Fahrstreifen zu erhöhen. Ziel ist, den Verkehr auf den Hauptachsen zu halten, damit er nicht auf das untergeordnete Stadtstrassennetz abfliesst.

Eines der gravierendsten Nadelöhre ist die Basler Osttangente im Abschnitt Gellertdreieck bis Badischer Bahnhof. Im Rahmen des Vernehmlassungsberichtes zur Programmbotschaft für die Beseitigung von Engpässen auf dem Nationalstrassenetz hat sich der Bundesrat für eine Kapazitätserweiterung in besagtem Teilstück ausgesprochen. Hier soll in jede Fahrtrichtung eine zusätzliche Fahrspur auf der Autobahn geschaffen werden - von durchgehend zwei auf drei Fahrspuren. Zudem sollen an einigen Stellen Ausbauten und neue Bauwerke wie unter anderem eine Seitenbrücke Hagnau bis Gellert (in Richtung Hagnau), eine Überführung der Einfahrt City (in Richtung Hagnau), eine leichte Verbreiterung der Ausfahrt Breite (in Fahrtrichtung Gellertdreieck) sowie im Kleinbasel eine Verbreiterung der Bäumlihofbrücke realisiert werden. Die bestehende Rheinbrücke (Schwarzwaldbrücke) kann praktisch wie bisher bestehen bleiben. Unverändert bleibt auch der Schwarzwaldtunnel.

«Auch der Kanton Basel-Stadt will den Verkehr auf den Hauptachsen führen, um die Wohnquartiere zu schonen. Deshalb können wir uns der Forderung des Bundes anschliessen», sagt Kantonsingenieur Roger Reinauer auf Anfrage. Dies umso mehr, als der Bund in seinem Bericht die Notwendigkeit eines zeitgemässen und gesetzeskonformen Lärmschutzes anerkennt.

Einhausung und Überdeckung

Und genau auf die Lärmschutzmassnahmen weist der Basler Regierungsrat in seiner Vernehmlassungsantwort hin. Er unterstütze die Lösung der Kapazitätsprobleme auf der Osttangente nur im Zusammenhang mit einer Überdeckung der Autobahn, schreibt die Exekutive in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung. Der Grund: In Spitzenzeiten passieren bis zu 150 000 Fahrzeuge pro Tag diesen Autobahnabschnitt; zudem werden die SBB mit einer zweiten Brücke über den Rhein ihre Kapazitäten beträchtlich ausbauen. Konkret verlangt die Regierung in der Breite eine Einhausung (ab Schwarzwaldbrücke in Richtung Süden bis zum Schwarzpark) und im Abschnitt Gellert eine Überdeckung von Autobahn und Eisenbahn.
Laut Communiqué stellt die Exekutive eine kantonale Beteiligung an den Kosten für die Lärmschutzmassnahmen in Aussicht. Deren genaue Höhe könne aber erst im Rahmen der weiteren Projekterarbeitung festgelegt werden, erklärt Roger Reinauer. Der Leiter des Tiefbauamts Basel-Stadt räumt jedoch ein, dass es sich um einen Beitrag in Millionenhöhe handeln werde, der folglich der Genehmigung des Grossen Rats bedarf.

Der Ausbau der Osttangente samt Lärmschutzmassnahmen kommt auf beinahe eine Milliarde Franken zu stehen. Der Bundesrat habe in seinem Vernehmlassungsbericht den Investitionsbedarf über 915 Millionen Franken für das basel-städtische Projekt Strukturverbesserung Osttangente (STOT) finanziell grundsätzlich anerkannt, heisst es in der Medienmitteilung.