Politisch ist es eine gewagte Wahl: Der aktuelle Moderator der «Rundschau» Sandro Brotz wird künftiger Moderator der Diskussionssendung «Arena». Er tritt damit die Nachfolge von Jonas Projer an, der nach fünf Jahren vom Schweizer Fernsehen SRF zur «Blick»-Gruppe wechselt.

Brotz ist nicht irgendwer, sondern ein Mann, der sich gerne mit den Mächtigen angelegt. Vor allem SVP-Exponenten hat er in jüngster Vergangenheit wiederholt zum Kochen gebracht.

Unvergessen ist das Interview mit dem ehemaligen SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der sich auf dem heissen Stuhl gegen den Vorwurf wehren musste, als Geschichtsprofessor unkritisch Doktorarbeiten durchgewunken zu haben. Als Brotz ihn fragte, ob er nun zurücktrete, verlor Mörgeli die Fassung und antwortete mit der legendären Gegenfrage: «Sind Sie eigentlich vom Aff bisse?»

Das Blut in Wallung brachte Brotz auch bei Bundesrat Ueli Maurer, der als damaliger Verteidigungsminister für den Kauf des Gripen warb. Als Brotz die Schweizer Luftwaffe mit jener Österreichs verglich, ging Maurer in den Gegenangriff über und beklagte eine «tendenziöse» Berichterstattung und forderte eine Entschuldigung. «Machen Sie es beim nächsten Mal besser», herrschte er Brotz an.

Dementsprechend kritisch reagiert man auf rechter Seite auf die Ernennung von Brotz zum neuen «Arena»-Moderator . Auf Twitter kritisierten mehrere Politiker der Zürcher SVP den Entscheid von SRF - während SP-Nationalrätin Min Li Marti dem neuen Arena-Moderator gratulierte.

«Das ist eine reine Provokation für die SVP», sagt der Zürcher Nationalrat Claudio Zanetti auf Anfrage dieser Zeitung. Seine Vermutung: Nachdem SVP-Präsident Albert Rösti im Nachgang zu den Zürcher Wahlen über eine SRG-Halbierungsinitiative nachgedacht hatte, sei dies nun die Retourkutsche. «Offensichtlich will uns die SRG damit signalisieren, dass sie keine Angst vor uns hat».

«Vae victis» steht sinnbildlich für einen Besiegten, der völlig der Willkür des Siegers ausgeliefert ist. Zanetti sagt, es sei nicht wegzudiskutieren, dass die SVP drei empfindliche Wahlniederlagen eingefangen habe. «Offensichtlich nutzt die SRG nun diesen Zeitpunkt, um auf uns herumzutreten.» Er prophezeit: «Wir werden wieder aufstehen.»

Dass Brotz links denkt, ist für Zanetti ausgemachte Sache. Armeefeindlich und ein SVP-Hasser sei er. Das habe er nicht nur in der Rundschau, sondern auch früher beim «Sonntagsblick» bewiesen. Zanetti sagt:

SRF verteidigt Brotz

Bei SRF weist man die Anwürfe zurück. «Sandro Brotz ist in alle Richtungen gleich kritisch», sagt Mediensprecher Stefan Wyss.

Als «absurd» bezeichnet Wyss die Behauptung Zanettis, wonach die SRG sich für die kritischen Worte Röstis rächen wolle. «Sandro Brotz übernimmt die Arena aufgrund seiner journalistischen Kompetenz.»