Die Suizidhilfe bewegt sich in einer Grauzone. Die Gesetze regeln in der Schweiz nicht im Detail, was erlaubt ist und was nicht. Es ist deshalb an den Gerichten, eine Rechtspraxis zu entwickeln, die zur Orientierung dient. Juristisch gibt es aber nur schwarz oder weiss, schuldig oder unschuldig. Wie wird man damit einer Grauzone gerecht?

Das Baselbieter Strafgericht hat einen eleganten Ausweg gefunden. Es hat Sterbehelferin Erika Preisig im Hauptpunkt freigesprochen und in ungewöhnlicher Offenheit seine eigenen Grenzen aufgezeigt. Die Richter räumten ein, dass es eine Ermessensfrage war, die sie ebenso gut auch anders hätten beantworten können. Das ist eine wichtige Botschaft. Niemand weiss mit Sicherheit, was für eine andere Person ein gutes Leben oder ein guter Tod ist.

Dieses Bewusstsein für die eigenen Grenzen liess Sterbehelferin Preisig vermissen. Sie bemühte sich zu wenig darum, einen Psychiater für die Begutachtung ihrer Patientin zu finden. Mit der Verurteilung im Nebenpunkt sendet das Gericht eine Warnung an alle Sterbehelfer aus. Im Zweifelsfall sollten sie eine Zweitmeinung bei einem Spezialisten einholen. Bisher weigerten sich viele Psychiater allerdings, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Nun haben sich mehrere Fachleute gemeldet, die diese Lücke ausfüllen wollen. So trägt der Gerichtsfall dazu bei, dass die Grauzone kleiner wird.