Testfahrt

Einsteigen bitte! Hier geht es über die längste Eisenbahn-Brücke der Schweiz

Durchmesserlinie: Testfahrt über die längste Brücke der Schweiz

Gleiten über das Gleisfeld: Eine Testfahrt auf der Letzigrabenbrücke.

Am Donnerstag durften zum ersten Mal Journalisten bei einer Testfahrt über die Zürcher Letzigrabenbrücke dabei sein. Die Fahrt mit der SBB-Lok verlief problemlos – das ist nicht ganz selbstverständlich.

Es ist ein bisschen wie fliegen: Die Lok gleitet in bis zu 16 Metern Höhe über die Gleiswüste des Zürcher Hauptbahnhofs. Das Vergnügen dauert ganze 1156 Meter – die Letzigrabenbrücke ist die längste Eisenbahnbrücke der Schweiz. Die Brücke ist Teil der sogenannten Durchmesserlinie, einem SBB-Grossprojekt in Zürich.

Durchmesserlinie: SBB-Testfahrt über die längste Bahnbrücke der Schweiz

Durchmesserlinie: SBB-Testfahrt über die längste Bahnbrücke der Schweiz. Gesamtprojektleiter Roland Kobel erklärt den Sinn der Übung.

Seit 2008 wurde an der längsten Bahnbrücke der Schweiz gearbeitet - heute hat die SBB erstmals Journalisten zu einer Testfahrt eingeladen. Bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember werden die Kohlendreieck- und die Letzigrabenbrücke nun unter die Lupe genommen.

Am 13. Dezember soll die Letzigrabenbrücke zusammen mit der ebenfalls zur Durchmesserlinie gehörenden Kohlendreieckbrücke in Betrieb genommen werden. Seit Anfang Oktober wurden auf den beiden Bauwerken zahlreiche Testfahrten durchgeführt, wie der für die Inbetriebnahme verantwortliche Projektleiter Pascal Rechsteiner am Donnerstag vor den Medien ausführte. Rund 150 sollen es bis am 13. Dezember sein.

Eingehend getestet worden sei das Einfädeln in Altstetten, wo drei Gleise in das bestehende Schnellzugsgleis münden, die von vier Zügen pro halbe Stunde befahren werden.

"Gewisse Überlegungen" angestellt werden mussten laut Rechsteiner auch bezüglich der steilen Rampen, die von den bis zu 400 Meter langen Zügen bewältigt werden müssen. Die Signalsteuerung sei so gestaltet, dass die Züge "mit Schwung" ausfahren können und nicht in einer Steigung anhalten müssen.

Es lief nicht immer alles nach Plan

Am Donnerstag durften zum ersten Mal Journalisten mitfahren. Das Video oben ist der Beweis: Es läuft bereits ganz gut. Doch das ist nicht selbstverständlich. Das Projekt Durchmesserlinie verlief nicht immer nach Plan.

Aufgrund eines Planungsfehlers mussten Nachbesserungen an den beiden Brücken gemacht werden – Kostenpunkt: rund 17 Millionen Franken. 

Entdeckt worden war der Planungsfehler im November 2013. Bei einer routinemässigen Begehung hatten die Ingenieure im Betontrog der Brücke feine Risse entdeckt. Diese hatten sich jeweils über den Pfeilern gebildet.

Eingehendere Untersuchungen ergaben, dass die Bodenplatte dort, wo sie auf den Gleitlagern aufliegt, zu schwach dimensioniert war. Die Statiker hatten die Krafteinleitung der Brückenplatte in die Pfeiler ungenügend untersucht.

Bedeutender Fahrplanwechsel

Jetzt aber soll die Zürcher Durchmesserlinie bald bereit sein für den laut SBB bedeutendsten Fahrplanwechsel seit 2004. Er erfolgt am 13. Dezember mit der Inbetriebnahme der Kohlendreieckbrücke und der Letzigrabenbrücke.

Die beiden Brücken auf dem Gleisfeld vor dem Hauptbahnhof Zürich dienen dazu, die Züge vom neuen unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse kreuzungsfrei zu den Schnellzuggleisen zu führen.

Der Verlauf der Durchmesserllinie

Der Verlauf der Durchmesserllinie

Mehrkosten von 37 Millionen Franken

Mit der Inbetriebnahme für den Fernverkehr sind die Bauarbeiten an der Durchmesserlinie zu 95 Prozent abgeschlossen. Bis im Herbst 2017 werden auch die zahlreichen Projekte im Bahnhof Oerlikon mit neuen Personenunterführungen, Zugängen und Perrons abgeschlossen sein. Zudem erhält der Hauptbahnhof Zürich einen neuen Aufgang zur Europaallee.

Gesamthaft sei man auf Kurs, sagte Gesamtprojektleiter Roland Kobel - sowohl bezüglich Einhaltung der Termine als auch kostenmässig. Voraussichtlich wird die gesamte DML 2,068 Milliarden Franken kosten - 37 Millionen oder 1,8 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Mehrkosten verursachten laut Kobel zusätzliche Ausgänge im Flucht- und Rettungsstollen, eine Projektänderungen in Oerlikon sowie die Verstärkungen bei den beiden Brückenbauwerken.

Offiziell eingeweiht wird die zweite Durchmesserlinie -Etappe am 26. Oktober. Dabei sein werden SBB-Chef Andreas Meyer, die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh sowie Vertreter des Bundesamtes für Verkehr. Für Gesamtprojektleiter Kobel wird es der krönende Abschluss sein. Er geht Ende Jahr in Pension.

(smo/mts/sda)

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