Gesundheit

Elektronisches Patientendossier: Finanzkontrolle kritisiert «fehlende Durchsetzungskraft» des BAG

Macht das elektronische Patientendossier wirklich Sinn?

Macht das elektronische Patientendossier wirklich Sinn?

Auf April dieses Jahres hätten Schweizer Spitäler das elektronische Patientendossier einführen sollen. Jetzt zeigt sich, dass sich die Verzögerung schon länger abzeichnete und die Ziele des Projekts infrage gestellt sind.

(gb.) Die eidgenössische Finanzkommission (EFK) ist in einem Bericht den Gründen für die verzögerte Einführung des elektronischen Patientendossiers nachgegangen. Der Bericht stammt vom August 2019 und wurde am Montag Abend veröffentlicht. Daraus wird klar, dass die Kommission schon damals an der termingerechten Einführung zweifelte.

Aus technischer Sicht hätte die Einführung wie ursprünglich geplant per 15. April möglich sein sollen, heisst es im Bericht. Jedoch haperte es bei den Zertifizierungen. Um das E-Dossier anbieten zu können, müssen sich Spitäler nämlich einer privatrechtlich organisierten Stammgemeinschaft anschliessen. Diese müssen erst zertifiziert werden. Stand August 2019 hatte die Zertifizierung erst bei einer von zwölf Stammgemeinschaften begonnen.

Zentrale Koordination fehlt

Weitere Ursachen sind laut dem Bericht ein Ressourcenmangel sowie «die fehlende Durchsetzungskraft» des Bundesamts für Gesundheit (BAG), welches die Einführung seitens der Behörden koordiniert.

Erschwerend hinzu kommen äussere Gegebenheiten wie die förderalistische Struktur des Gesundheitswesens. Angesichts dessen bemängelt die EFK, dass eine übergeordnete und weisungsberechtigte Stelle fehlt, die das Projekt koordinieren und führen könnte. Probleme und Risiken würden zwar erkannt, jedoch fehle es an Strukturen, diese zu beheben, heisst es im Bericht weiter.

Einführung auf Sommer geplant

Das elektronische Patientendossier beschäftigt die Spitäler und die Politik seit Jahren. Befürworter versprechen sich viel davon. So sollen alle Beteiligten Fachleute künftig immer auf dem neuesten Stand der Krankheitsgeschichte eines Patienten sein. Zudem soll die Behandlungsqualität steigen und Kosten gespart werden. Das Erreichen dieser Ziele sei angesichts der verzögerten Einführung in Frage gestellt, heisst es im Bericht.

Dass die Finanzkommission die termingerechte Einführung schon im Herbst letzten Jahres infrage stellte, damit lag sie richtig. Im Februar teilte das BAG mit, dass die Einführung des E-Dossiers auf den Sommer verschoben werden müsse. Beim BAG liegt seither auch der Ball, die Kritik der EFK aufzunehmen. Sie hat in ihrem Bericht verschiedene Empfehlungen formuliert, die teils auch schon umgesetzt wurden. So hat das Departement für Inneres in einer Stellungnahme auf die Prüfergebnisse angekündigt, dass die Koordinationsstelle zur Einführung des E-Dossiers gestärkt und künftig alle sechs Wochen tagen würde.

Die EFK beobachtet die Umsetzung der Empfehlungen, wie Brigitte Christ von der EFK auf Anfrage von CH Media sagt. «Im Moment müssen wir das BAG aber erst mal arbeiten lassen.» Eine formelle Nachprüfung sei derzeit nicht geplant, sei aber auch nicht ausgeschlossen.

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