Der Eurocity 158 kam von Mailand her und fuhr um 13:58 Uhr weiter Richtung Basel. Der vierte und fünfte Wagen der siebenteiligen ETR 610 der italienischen Staatsbahn Trenitalia entgleisten noch im Bahnhof unter der Langensandbrücke. Der vierte Wagen kippte und beschädigte einen Querträger der Fahrleitung, die auf den Zug fiel.

Bahnhof blockiert

Durch den Unfall wurden alle drei dort vorhandenen Gleise der normalspurigen Bahnhofszufahrt blockiert. Weil der Strom ausfiel, konnten auch die Schmalspurzüge der Zentralbahn (zb) nicht mehr verkehren.

Der Bahnverkehr kam in Luzern ab 14 Uhr zum Erliegen. Die Züge verkehrten nur noch bis zu Vororten. Von dort wurden Busse eingesetzt. Dieser Zustand dürfte noch bis in den Donnerstag hinein andauern, sagte Toni Häne vom SBB Personenverkehr an einer Medienkonferenz.

Luftaufnahmen: Zugunglück im Bahnhof Luzern

Morgenpendler von und nach Luzern wurden deshalb gebeten, deutlich mehr Reisezeit einzuberechnen. Aktuellste Informationen könnten Reisende mittels einer Fahrplanabfrage oder auf www.sbb.ch/166 erhalten.

Die Heimreise der Pendler dauerte bereits am Mittwochabend erheblich länger als sonst. Einige Pendler organisierten sich via Twitter und beschafften so Mitfahrgelegenheiten in Autos. Die SBB riet zudem von Reisen von und nach Luzern ab.

Der Unfall löste ein Grossaufgebot der Blaulichtorganisationen aus. Die Polizei, Ambulanzen aus der ganzen Zentralschweiz, die Feuerwehren der SBB und der Stadt Luzern sowie Fachdienste der SBB seien rasch ausgerückt, sagte Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei.

"Daumen nach oben"

Die Bergung der Passagiere verlief relativ einfach, weil der entgleiste Zug leicht zu erreichen war. Die Passagiere hätten den Rettungskräften durch die Scheiben mit dem "Daumen nach oben" signalisieren können, dass nichts Schlimmeres passiert sei, sagte Graf.

Die Fahrgäste mussten eine Stunde im verunfallten Zug ausharren. Bevor sie geborgen werden konnten, musste der Wagen in Schräglage gesichert und die beschädigte Fahrleitung geerdet werden. Alle Passagiere konnten den Zug dann selbst verlassen. Sieben Personen erlitten leichte Verletzungen, fünf von ihnen wurden ins Spital gebracht. Sie erlitten hauptsächlich Prellungen und Schürfungen.

Eine S-Bahn nach Stans NW sowie ein Interregio nach Genf blieben nach der Entgleisung des Intercity-Neigezugs ebenfalls im Bahnhof stecken. Auch diese Passagiere wurden evakuiert.

#oh oh #abbiamo deragliato....#luzern

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Ermittlungen laufen

Zur Unfallursache war am Mittwoch noch nichts bekannt. Die Untersuchung führt die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle SUST.

Wie gross der Sachschaden ist, war zunächst unbekannt. An der Fahrleitung und an den Gleisanlagen sei erheblicher Sachschaden entstanden, teilte die SBB mit. Mehrere Fachteams der SBB sollten in der Nacht auf Donnerstag Aufgleisungsarbeiten und weitere Schadenbehebungen vornehmen.

Erst wenn der Unfallzug weggeräumt sei, seien die detaillierten Schäden an den Gleisanlagen richtig erkennbar. Aus diesem Grund seien derzeit auch noch keine belastbaren Aussagen zur vollständigen Inbetriebnahme des Bahnhofs Luzern machbar, schreibt die SBB.

Der Bahnhof Luzern ist ein Kopfbahnhof mit einer engen Zufahrt. Um die Kapazitäten zu erhöhen, möchte Luzern den bestehenden Bahnhof mit einem unterirdischen Durchgangsbahnhof ergänzen.