Die Winterjacke hängt noch an der Garderobe. Kalt war es diese Woche, doch am Wochenende steht bereits der erste Hitzetag an. «Immer extremer, mal kalt, mal heiss, nichts dazwischen», sagen da viele. Doch diese Wechselhaftigkeit der Wetterabläufe sei typisch für unser Klima, erklärt Stephan Bader von Meteoschweiz. Im Frühjahr liege noch viel Kaltluft über dem Nordpol. Mit der aktuellen Nord-/Nordwestströmung trifft die kalte Polarluft auf das nachrückende atlantische Hochdruckgebiet mit milden Luftmassen. «Das zeigt geradezu lehrbuchhaft die Ursache für die typische Wechselhaftigkeit unseres Klimas», sagt der Klimatologe.

Mögen die wechselnden Temperaturen für einen Mai nicht ungewöhnlich sein, die Kälte in diesem Monat war es. «Mit einem landesweiten Mittel von 6 Grad Celsius war es der kühlste Mai der letzten rund 30 Jahre», sagt Bader. Der aussergewöhnlich kühle Mai mit Schnee bis in die Niederungen ist gemäss Meteoschweiz ein seltenes Ereignis im heutigen Maiklima. Eigentlich ist der Mai in den letzten Jahrzehnten um 2 Grad wärmer geworden: Ein deutliches Signal der Erderwärmung, das wegen des Ausreissers in diesem Jahr nicht geschwächt wird.

Umstrittene Prognose: Laut US-Wetterdienst wird es heiss in Europa.

Umstrittene Prognose: Laut US-Wetterdienst wird es heiss in Europa.

Hitzesommer für Europa?

Generell nehmen wegen des Klimawandels die Wetterextreme zu. Macht das die Wetterprognose schwieriger? Nein, sagt Bader. Die Prognosetätigkeit befasse sich mit dem aktuellen Wetterablauf. «Ob dieser sehr lebhaft ist oder eher eine langsame Entwicklung nimmt, spielt für die tägliche Prognose keine Rolle.» Extreme Wetterlagen seien für den Prognostiker grundsätzlich kein Problem.

Allerdings werde es für den Meteorologen bei sehr lebhaften Wetterlagen, wie zum Beispiel Sturmsituationen, sehr hektisch, da häufiger gewarnt werden müsse. «Bei einer Hitzewelle sind die Wetterabläufe hingegen langsam, trotz extremer Wetterlage. In solchen Fällen verläuft der Prognosebetrieb entsprechend ruhiger», sagt Bader.

Zu reden gibt dieser Tage die aktuelle Langzeit-Prognose des privaten US-Wetterdienstes AccuWeather. Einen Sommer voll intensiver Hitze in weiten Teilen Europas sagen die amerikanischen Meteorologen voraus. Eine Hitzewelle werde sich über lange Zeit von Portugal bis nach Ungarn ziehen. Schon im Juni werde die heisse Luft von Spanien her nord- und ostwärts ziehen.

Aufmerksamkeit ist den amerikanischen Meteorologen mit ihrer Sommer-Hitze-Dürre-Prognose gewiss. Damit ist ein Ziel schon erreicht, denn auf dem Wettermarkt tummeln sich viele private Anbieter, die ihre Prognosen gewinnbringend von viel Werbung begleitet auf die Milliarden Smartphones bringen wollen. Langzeit-Prognosen geben dort darüber Auskunft, ob die Grillparty oder das Open Air im Trockenen gefeiert werden kann. Solche Prognosen können zu Enttäuschungen führen. Denn nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sind die klassischen Prognosen nur bis fünf Tage verlässlich, wie Bader erklärt. «Angaben bis zehn Tage sind Trendaussagen. Prognosen zu detaillierten Tagesabläufen sind für diesen Zeithorizont nicht möglich.»

Aufgezeigt werden Wettertrends

Dementsprechend ist die 3-Monats-Prognose von AccuWeather hierzulande von Meteorologen auch als Schwachsinn bezeichnet worden. Und auch Meteoschweiz erklärt, dass keine Vorhersagen zum Witterungsverlauf gemacht werden können.

Aufgezeigt werden Wahrscheinlichkeiten: Also wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich die Sommertemperatur über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre bewegt. Diese saisonalen Modellläufe von Meteoschweiz zeigen, dass es regional diesen Sommer wärmer sein wird als in den letzten 30 Jahren. Darin stimmen diese Wahrscheinlichkeitsberechnungen mit den Prognosen von AccuWeather überein. Aussagen über Hitzewellen und Niederschlag macht Meteoschweiz aber nicht. Berechnet werden somit Wettertrends mit umfangreichen Modellsimulationen.

Für Meteoschweiz macht das das Europäische Zentrum für Mittelfrist-Wettervorhersagen (EZMW), an dem 34 Staaten beteiligt sind. Doch diese heutigen Modelle können die Wettertrends für unser Land und Mitteleuropa nur schlecht voraussagen. In anderen Regionen der Welt ist die Qualität der Langzeit-Prognosen dagegen besser. Insbesondere für tropische Regionen und für Gebiete, die vom Klimaphänomen El Niño betroffen sind.