Die Rechnung überrascht: Vier PET-Flaschen reichen für ein atmungsaktives T-Shirt, 40 Flaschen bereits für eine bequeme Winterjacke. Dafür werden die eingesammelten PET-Flaschen gereinigt, zu kleinen Schnipseln verarbeitet, geschmolzen, zu feinen Fäden gedreht und zu kuschligen Stoffen verwoben – fertig ist die Grundlage für weiche, luftdurchlässige Kleidung und Wohntextilien. Genäht wird der Stoff am besten auch gleich mit Recycling-Faden, eine PET-Flasche ergibt 1000 Meter.

Lauter gute Gründe, weiterhin eifrig PET zu sammeln. Und aktuell lockt ein weiterer, ganz handfester Grund: Noch bis zum 20. Mai läuft ein grosser Wettbewerb – die erste Staffel des PETBoxCup –, bei dem täglich 1000 Franken gewonnen werden können. In der ganzen Schweiz müssen an Bahnhöfen, Kiosken und Tankstellen PET-Boxen gesucht werden, die mit einem Gewinncode versehen sind. (www.petboxcup.ch)

PET-Container und Tunnelblick

Ziel der Aktion: «Wir möchten, dass die Leute darauf aufmerksam werden, wo sie auf ihrem täglichen Weg eine Entsorgungs-Box finden», erklärt Jean-Claude Würmli vom Verein PET-Recycling Schweiz. Denn viele übersehen diese in der Eile: Studien des Vereins haben gezeigt, dass zahlreiche Pendlerinnen und Pendler beispielsweise im Bahnhof Zürich ihre PET-Flaschen in den Abfall werfen, obwohl ein paar Schritte weiter eine Sammelbox bereitsteht.

Martin Wegelin erzählt, weshalb er eine Methode zur Reiniung von Trinkwasser suchte und wie mit Hilfe von PET-Flaschen und Sonnenlicht Durchfallerkrankungen vermieden werden können.

Martin Wegelin erzählt, weshalb er eine Methode zur Reiniung von Trinkwasser suchte und wie mit Hilfe von PET-Flaschen und Sonnenlicht Durchfallerkrankungen vermieden werden können.

Das soll der PETBoxCup ändern, denn rund ein Drittel der PET-Flaschen werden unterwegs geleert und sollen trotzdem den Weg in den Recycling-Behälter finden. An Möglichkeiten fehlt es nicht, 30000 Boxen stehen in der ganzen Schweiz verteilt. «Trotzdem verlieren wir im Bereich der Unterwegs-Konsumationen zu viele Flaschen», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Würmli. «Deshalb arbeiten wir mit Aktionen wie dem PETBoxCup auf das ambitionierte Ziel hin, die Rücklaufquote von 81 auf 85 Prozent zu steigern.»

Designermützen und Turnschuhe

Allerdings sammelt die Schweizer Bevölkerung ohnehin schon mehr, als sie müsste: Mindestens 75 Prozent, so die Auflage des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), müssen zurückgegeben werden, sonst werden Pfandgebühren eingeführt. Der Grund dafür ist einleuchtend, Recycling spart enorm viele Rohstoffe (Zahlen siehe Kasten), und werden die PET-Flaschen wiederverwertet, halbieren sich damit die gesamten Umweltauswirkungen. Zum Teil entstehen aus den alten Flaschen neue Flaschen, aus dem anderen Teil werden PET-Pellets produziert, die zu fast allem weiterverarbeitet werden können.

Inzwischen haben sogar Designer den Recycling-Stoff für sich entdeckt und entwerfen modische Taschen, Mützen, Winterjacken aus ehemaligen PET-Flaschen (www.petinside.ch). Auch Grosshändler produzieren mehrfach verwendbare Einkaufstaschen aus 100 Prozent PET. Aus gebrauchten PET-Flaschen entstehen ausserdem Teppiche, Stühle, Serviertabletts, Sofas und neue Verpackungen für Lebensmittel. «Von Handyhüllen über Tauchanzug-Beschichtungen bis Nike-Turnschuhe – PET ist überall drin», fasst JeanClaude Würmli zusammen. «Es gibt fast nichts, wofür man PET nicht verwenden kann.»

PET-Flaschen sind aber auch in ihrer ursprünglichen Form äusserst nützlich. Ein beeindruckendes Projekt startete beispielsweise jene Forschergruppe der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz Eawag, die in Entwicklungsländern PET-Flaschen einsetzte, um keimfreies Wasser zu gewinnen. Der Prozess ist absolut simpel, man lege eine mit unsauberem Wasser gefüllte PET-Flasche in die pralle Sonne, lasse sie sechs Stunden dort liegen – fertig ist das keimfreie Trinkwasser. Zudem können die PET-Flaschen als hygienische Wasserspender benutzt werden. Rund fünf Millionen Menschen in 30 Ländern kamen so inzwischen mit einem minimen Aufwand zu sauberem Wasser. (www.sodis.ch)

Solarbirne und «Plastiki»

Alte PET-Flaschen bringen aber nicht nur sauberes Wasser, sondern auch helles Licht: Werden sie mit Wasser gefüllt und in die Dächer finsterer Blechhütten montiert, wirken sie wie eine echte Glühbirne und erhellen die Hütten ganz wesentlich – «ein Liter Licht», heisst deshalb übersetzt das Projekt des Massachusetts Institute of Technology auf den Philippinen (www.isanglitrongliwanag.org).

Wie aus einer Pet-Flasche Licht wurde.

Wie aus einer Pet-Flasche Licht wurde.

Eine ganz abenteuerliche «Flaschen-Fahrt» indes wagte der britische Abenteurer David de Rothschild, als er mit seinem sogenannten «Plastiki» den Pazifik von San Francisco bis Sydney überquerte: Sein Schiff bestand zur Hauptsache aus 12500 gebrauchten PET-Flaschen, und er wollte mit seiner Fahrt auf die Vermüllung der Weltmeere durch Plastikabfälle aufmerksam machen (www.theplastiki.com).

Wespenfalle und Windlicht

Das sind geradezu sensationelle Anwendungsmöglichkeiten für alte PET-Flaschen. Daneben wirken die vielen fantasievollen Produkte, die sich kreative Köpfe zum Basteln ausgedacht haben, fast banal. Aber dennoch sind sie sehr beliebt, wie beispielsweise die PET-Wespenfallen: Man schneide das obere Drittel einer PET-Flasche ab, lege es verkehrt auf den unteren Teil und fülle diesen mit einem Gemisch aus Zucker und Essig – der Trichter lockt dann die Wespen ins Innere und lässt sie nicht wieder hinaus.