Gesundheitssystem

Ex-Chefbeamter übt harsche Kritik am Parlament

Von der Verwaltung in die Privatwirtschaft: Peter Indra

Von der Verwaltung in die Privatwirtschaft: Peter Indra

Peter Indra, ehemaliger Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit und heutiger SWICA-Generaldirektor wirft Politikern vor, Reformen zu verwässern und zu zerreden.

Während vieler Jahre war Peter Indra als Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit für die Kranken- und Unfallversicherung verantwortlich. Als Chefbeamter durfte er die Parlamentarier nicht öffentlich kritisieren. Seit Januar arbeitet er nun als Generaldirektor der Krankenkasse SWICA - und muss kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.

Seine Kritik am Leistungsausweis des Parlamentes im Bereich der Gesundheitsreformen ist massiv. «Im politischen Prozess zerreden und verwässern die politischen Parteien und Interessenvertreter vieles», sagt Indra im Interview mit der az. So zum Beispiel beim Unfallversicherungsgesetz, dessen Reform das Parlament nach zwei Jahren Debatte wieder an den Bundesrat zurückweist.

Das Parlament ist Schuld

Und Indra benennt Schuldige: «Zuerst die Parlamentarier in den vorbereitenden Kommissionen, dann das Parlament selbst, dass eine Vorlage nach langem Hin und Her in der Schlussabstimmung einfach aus politischem Kalkül abschiesst.»

Auch bei der Managed-Care-Vorlage, die während Jahren blockiert war und diese Woche in den Nationalrat kommt, sieht Indra die Gefahr der politischen Instrumentalisierung: «Die Vorlage wird nicht primär inhaltlich bekämpft, sondern von der SP missbraucht, um Stimmung für ihre Einheitskasse zu machen.» Eine solche lehnt Indra ab - auch aufgrund der geringen Effizienz der öffentlichen Administration: «Mit einer Einheitskasse hätten Sie einen typischen Verwaltungsbetrieb mit Arbeitszeiten von acht bis vier Uhr.» (az)

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