Pilotprojekt

Flüchtling Abdi Fatah ist jetzt Gemüsebauer

Beispiel aus dem Pilotprojekt des Bauernverbands: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach in Füllinsdorf. Der Gemüsebauer aus dem Baselbiet ist einer der zehn am Projekt beteiligten Landwirte.

Kresse-Kontrolle und Salat abpacken: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach.

Zehn Schweizer Bauernbetriebe nehmen an einem Pilotprojekt teil, bei dem Flüchtlinge als Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Einer davon ist der Hof der Familie Eschbach in Füllinsdorf BL. Der Chef und auch seine Arbeiter sind zufrieden.

Abdi Fatah kontrolliert die Kresse, bereitet Gemüsebeete vor oder packt Salat ab. Der 26-jährige Flüchtling aus Somalia arbeitet bei Gemüsebauer Andreas Eschbach auf dem Hof in Füllinsdorf im Baselbiet.

Möglich macht dieser Arbeitseinsatz ein Pilotprojekt des Schweizer Bauernverbands: Vorerst zehn Schweizer Bauernbetriebe setzen Flüchtlinge als Helfer in der Landwirtschaft ein.

Am Mittwoch stellten der Schweizer Bauernverband und das Staatssekretariat für Migration das Projekt auf einem Gemüsebaubetrieb in Füllinsdorf vor.

«Wenn ich arbeite, kann ich alles tun, was ich will»

Hintergrund des Projekts ist die am 9. Februar 2014 angenommene Zuwanderungsinitiative der SVP.

In der Schweizer Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr 25'000 bis 35'000 Personen aus dem Ausland, weil sich für diese Arbeit laut dem Bauernverband kaum Schweizer finden würden.

3400 Franken verdient Abdi Fatah für seine Arbeit auf dem Bauernhof. Für ihn ist es ein Vorteil, eigenes Geld verdienen zu können: «Wenn ich arbeiten, kann ich alles tun, was ich will», sagt der junge Mann.

Er könne viel selbstständiger leben und etwa eine Wohnung mieten oder Krankenkassenprämien bezahlen.

Flüchtlinge integrieren, öffentliche Hand entlasten

Der Bauernverband will mit dem Projekt drei Ziele erreichen: Flüchtlinge besser intergrieren, den Landwirtschaftsbetrieben die Möglichkeit geben, Arbeitskräfte aus der Region zu gewinnen, und die öffentliche Hand finanziell entlasten.

«Denn: 80 Prozent der Flüchtlinge sind abhängig von der Sozialhilfe», argumentiert Jacques Bourgeois, Dirketor des Schweizer Bauernverbands.

«Bei uns kann jeder arbeiten, der arbeiten will»

Neben Abdi Fatah arbeiten sieben weitere Flüchtlinge auf dem Hof der Familie Eschbach.

Der Baselbieter Gemüseproduzent hat aber auch schon in der Vergangenheit Flüchtlinge angestellt – und nur positive Erfahrungen gemacht. 

«Bei uns kann jeder arbeiten, der arbeiten will», sagt der Landwirt. Vorwissen brauche es dafür nicht. «Wenn einer lern- und arbeitswillig ist, dann klappt das.»

Der Bauernverband erhielt auf das Projekt aber nicht nur positive Rückmeldungen – viele Bauern erteilten der Idee eine Absage.

Das Piltoprojekt startet vorerst mit 50 Flüchtlingen. Wenn es erfolgreich ist, soll es ausgeweitet werden. Auch auf andere Branchen. (nch/sda)

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