Asyl

Flüchtling Luemba Ne Kongo findet auch nach zehn Jahren in der Schweiz keine Stelle

Luemba Ne Kongo ist froh um eine kleine Teilzeitstelle für Französischunterricht.

Luemba Ne Kongo ist froh um eine kleine Teilzeitstelle für Französischunterricht.

Vor zehn Jahren flüchtete Luemba Ne Kongo aus der Demokratischen Republik Kongo in die Schweiz. Er hat sich gut eingelebt, doch sein Status F macht es ihm so gut wie unmöglich, endlich einen richtigen Job zu finden. Er ist kein Einzelfall.

Jeder kennt die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick. Eine aus heutiger Sicht lustige Geschichte und eine wahre dazu. Und so geht sie: Vor gut 100 Jahren kaufte sich der arbeitslose Schuster Friedrich Wilhelm Voigt in Berlin eine abgelegte Hauptmannsuniform und raubte damit und mit einer kleinen Schar von Soldaten, die ihm auf der Strasse begegneten und glaubten, dieser Hauptmann sei echt, die Gemeindekasse von Köpenick. Seine Tat war eine Verzweiflungstat, denn: Er bekam keine Arbeit, weil er keine Wohnung hatte, und er bekam keine Wohnung, weil er keine Arbeit hatte.

In einer solchen oder zumindest ganz ähnlichen Endlosschlaufe steht auch der Kongolese Luemba Ne Kongo (39). Für ihn ist dies aber alles andere als eine lustige Geschichte, sondern brutale Realität. Verkürzt gesagt: Luemba bekommt keine Arbeit, weil er keine Niederlassungsbewilligung B hat – und die bekommt er nicht, weil er keine Arbeit hat. So sieht er die Sache.

Doch wie kommt es in unserem doch so differenzierten Asylsystem zu einem solchen Fall? Luemba Ne Kongo erzählt, dass er vor zehn Jahren aus der Demokratischen Republik Kongo flüchtete, in die Schweiz kam und hier um politisches Asyl bat. Dieses wurde ihm nicht gewährt. Er bekam vom Staatssekretariat für Migration (SEM) erst mal eine Niederlassungsbewilligung F, also jene für «vorläufig Aufgenommene». Die Schweizer Behörden sahen scheinbar keinen Anhaltspunkt dafür, Luemba Asyl zu gewähren. Er selbst sieht das anders und meint: «Wenn ich in mein Heimatland reisen würde, wäre ich gleich einen Kopf kürzer.»

Kritik an Präsident Kabila

Als Grund dafür gibt er an, dass er ein Anhänger der Bundu Dia Kongo-Bewegung sei, eine christliche freikirchliche Gemeinschaft, welche den kongolesischen Präsidenten Kabila stark kritisiert und deshalb von seiner Regierung verfolgt wird. Luemba erklärt: «Das kongolesische Volk ist sehr arm. Dabei ist unser Land sehr reich an Bodenschätzen wie Kobalt, Kupfer oder Coltan.

Die Regierenden stehlen zusammen mit den weltweit agierenden Rohstoffkonzernen dem Volk diesen Reichtum. Diese Politik bekämpfen wir und deshalb werden wir verfolgt.»
Doch Luemba hat auch in der Schweiz kein einfaches Leben, denn er möchte arbeiten, findet aber keinen Job und ist somit von der Fürsorge abhängig. «Ich will eigentlich nichts anderes als arbeiten, um für meine Familie ein Einkommen zu erarbeiten.» Doch bisher schlugen alle Versuche, Arbeit zu finden fehl, obwohl der 39-Jährige pädagogisch ausgebildet ist und mehrere Sprachen spricht.

Luemba gibt die Schuld an dieser Situation seinem Status F, denn als «vorläufig Aufgenommener» stelle ihn kein Arbeitgeber an. «In der Regel werden doch Leute gesucht, die nicht gleich wieder abspringen. Und bei F ist der Arbeitgeber unsicher». Luemba bleibt aber in der Schweiz. Er ist schon seit zehn Jahren hier. Mit seiner inzwischen fünfköpfigen Familie lebt er in Lüterkofen, und es gefällt ihm dort. Seine Frau hat seit ein paar Monaten eine Teilzeit-Stelle in einem Altersheim gefunden, und drei Kinder gehen in die Primarschule – und zwar gerne.

Die Familie fühlt sich also wohl in der Dorfgemeinschaft. Nur eines stört Luemba ganz gewaltig: «Ich möchte nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig sein, denn das ist sehr erniedrigend», schildert er. «So bin ich nur ein halber Mann.»

Zunächst habe er geglaubt, wenn er fünf Jahre unbescholten in der Schweiz lebe, bekomme er die die Aufenthaltsbewilligung B (anerkannter Flüchtling) mehr oder weniger automatisch. Doch dem ist nicht so. Im vergangenen Dezember hat er dem Migrationsamt Solothurn geschrieben, dass er ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung B stellen möchte.

Die Antwort aus dem Ambassadorenhof war für ihn niederschmetternd: «Ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung kann erst geprüft werden, wenn Sie nicht mehr von der Fürsorge abhängig sind und finanziell auf eigenen Füssen stehen», heisst es. Und so steht Luemba Ne Kongo wieder am Beginn seines Problems: Er hat keine Arbeit und ist somit von der Fürsorge abhängig. Zwar sagt der Chef des Migrationsamtes Peter Hayoz es seien für den Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung B Härtefallbewilligungen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Für Luemba Ne Kongo treffen diese aber offenbar nicht zu.

Arbeitgeber ansprechen

Luemba Ne Kongo ist nicht der Einzige mit Status F «vorläufig Aufgenommener», der dieses Problem in der Schweiz hat. Laut einer Langzeitstudie des Staatssekretariats für Migration beeinflusst dieser Asylstatus den Erfolg bei der Jobsuche stärker als Alter, Herkunft oder Geschlecht – und zwar negativ. Der F-Ausweis reduziere ihn zu einem Zuschauer seines Lebens, sagte in dieser Studie ein Betroffener. Hayoz erklärt, dass im Kanton Solothurn derzeit 1394 Personen mit Status F leben; «326 davon sind erwerbstätig.»

Es ist aber zu einfach, den Behörden nun den Schwarzen Peter für Luembas Situation zuzuschanzen. Keiner der bisher kontaktierten Arbeitgeber hätten sich die Mühe gemacht, etwas genauer nachzufragen, wie denn seine Situation und seine Ausbildung sei, klagt Luemba. «Jeder der dieses F auf meinem Ausweis sieht, lässt mich gleich wieder fallen.» Obwohl es Informationen durch den Kanton für Arbeitgeber mit dem Flyer «Flüchtlinge einstellen» gibt.

Einen kleinen Lichtblick gibt es: Seit April kann Luemba Ne Kongo in einer privaten Schule im Bucheggberg pro Woche zwei Stunden Französisch unterrichten. Eine Arbeit, die ihm sehr gefällt, und die durch seinen Sozialarbeiter vermittelt wurde. Doch er möchte mehr: «Ich möchte, dass mir die Schweiz nicht Geld gibt, sondern Arbeit».

Übrigens, dass die Demokratische Republik Kongo alles andere als ein sicheres Land ist, bezeugt auch die Infoplattform Reiseinformationen des Bundes. «Von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen in die Demokratische Republik Kongo wird abgeraten», heisst es dort.

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