Per se haben nationale Abstimmungen nicht viel gemeinsam. Dass sie an einem Sonntag stattfinden. Dass es um Fragestellungen von schweizweiter Relevanz geht. Und dass es im Verlauf des Nachmittags (und manchmal Abends) Verlierer – aber eben auch Gewinner gibt. Sieger klatschen, Sieger jubeln. Immer häufiger bleibt die Freude nicht im kleinen Kreis, sondern findet dank ikonenhaft anmutender Bilder den Weg zum grossen (Medien-)Publikum. Aber wie echt sind die Gefühlsausbrüche wirklich?

Erleichterung auf die Sekunde

«Absolut echt», sagt Regula Rytz, Präsidentin der Grünen und Mittelpunkt des jüngsten Jubelfotos vom Sonntagmittag. Sie sei sonst eher eine zurückhaltende Person, habe sich im Abstimmungskampf aber derart engagiert, dass die ganze Anspannung auf einen Schlag der Erleichterung gewichen sei. Dieser eine Moment – das war, als Polit-Analyst Claude Longchamp um 12.30 Uhr am TV verkündete, dass das Energiegesetz mit Sicherheit angenommen werde.

Ja zum Energiegesetz – Befürworter jubeln

Ja zum Energiegesetz – die Befürworter jubeln.

(21.5.2017)

Nicht immer gibt es aber einen so klar definierbaren, einzigen «Moment der Freude». In der Regel tröpfeln die Abstimmungsresultate aus den Kantonen herein, das Verdikt zeichnet sich erst allmählich ab. Da muss man dem eruptiven Ausdruck der Emotionen schon auch mal etwas nachhelfen. «Wenn man es unverblümt ausdrücken will, brauche ich von einer Abstimmungsveranstaltung entweder enttäuschte oder lachende Gesichter», sagt Alessandro della Valle, Autor des Bildes, das nach der Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform die Runde machte.

Organisierte Jubelfotos

Als Fotograf gebe er nie Anweisungen für solch ein Jubelfoto, das müsse von den Organisatoren selbst kommen. «Wenn sie es richtig machen, sorgen sie dafür, dass wir ein gutes Motiv kriegen», sagt er. So, wie das sogar international verbreitete Bild der Operation-Libero-Führungscrew nach der gewonnenen Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative. Oder des jubelnden Christian Levrat inmitten von Parteikolleginnen. Dass der SP-Chef dabei einen roten Schal trug, war selbstverständlich kein Zufall.