Affäre Mörgeli
Fristlose Kündigung von Christoph Mörgeli: Die Uni Zürich schweigt

Christoph Mörgeli soll seinen Job an der Uni Zürich verlieren. Grund seien öffentlich geäusserten «Mobbing»-Vorwürfe und seine Forderung nach einer Strafuntersuchung gegen seinen Vorgesetzten, schreibt «Der Sonntag». Die Uni dementiert.

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Christoph Mörgeli, Nationalrat und Konservator des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich.

Christoph Mörgeli, Nationalrat und Konservator des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich.

zvg/archiv

Wegen seinen öffentlich geäusserten «Mobbing»-Vorwürfen und der Forderung nach einer Strafuntersuchung gegen seinen Vorgesetzten Flurin Condrau am medizinhistorischen Institut will die Zürcher Universitätsleitung kommende Woche die Notbremse ziehen und Professor Christoph Mörgeli entlassen - fristlos, wie die Zeitung «Der Sonntag» gestützt auf zuverlässige Quellen schreibt.

Ursprünglich hätte Mörgeli nächste Woche eine letzte Frist zur Behebung der schweren Mängel im medizinhistorischen Museum und der dazu gehörenden Sammlung eingeräumt werden sollen, die ein letzte Woche publik gewordener akademischer Bericht und eine externe Expertise aufdeckten.

Darin werden Mörgeli verheerende Arbeitszeugnisse ausgestellt: «Mehrere Zehntausend unkatalogisierte Objekte verstauben in offenen Regalen», steht im 30-seitigen Bericht. Die Expertise hält fest, dass «menschliche Knochen» in Mörgelis Sammlung «Staub und Ungeziefer» ausgesetzt und an «menschlichen Präparaten (...) bereits Schäden sichtbar» seien.

Eine ausserordentliche Leistungsbeurteilung, die von der Universitätsleitung im November 2011 initiiert wurde und deren Inhalt bisher nicht bekannt war, stützt laut «Sonntags»-Recherchen diese massive Kritik an Mörgeli.

Ihm wird laut der Beurteilung «mangelnde Arbeitsleistung» vorgeworfen. Mörgeli soll seine Arbeit als Professor und Museumsleiter in den letzten Jahren systematisch vernachlässigt haben, vor allem zum Nachteil der weltweit grössten medizinhistorischen Sammlung, für deren Pflege Mörgeli als Konservator des Instituts verantwortlich ist.

Die Universität Zürich reagiert am Sonntagnachmittag mit einer Medienmitteilung auf die Enthüllung der Zeitung «Der Sonntag»: Bezüglich des Arbeitsverhältnisses von Christoph Mörgeli «ist noch nichts entschieden», heisst es darin. Die ausserordentliche Leistungsbeurteilung, die seit November 2011 laufe, sei noch nicht abgeschlossen. «Daher liegen noch keine Ergebnisse vor». (rsn)