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Gamen statt Schwitzen: Was Jugendliche vom Sport abhält

Bald ein seltenes Bild? Kinder spielen auf dem Pausenplatz. Keystone

Bald ein seltenes Bild? Kinder spielen auf dem Pausenplatz. Keystone

Jugendliche machen heute 10 Prozent weniger Sport als 2008. Das betrifft vor allem Aktivitäten ausserhalb von Schule und Verein. Warum das so ist, hat verschiedene Gründe.

Auf den Fussballplätzen der Schulen dieses Landes ist das Treiben nicht mehr ganz so rege. Der «Kinder- und Jugendbericht» des Bundesamtes für Sport (Baspo) zeigt: Schweizer Jugendliche machen zwar viel Sport, jedoch weniger als noch bei der letzten Befragung im Jahr 2008. Insgesamt sind 10- bis 19-Jährige im Vergleich zu vor sechs Jahren rund zehn Prozent weniger körperlich aktiv. Die Befragung zeigt aber auch, dass nicht der Sport im Verein oder im Schulsport, zum Beispiel Badmintonunterricht über den Mittag, zurückgeht. Viel mehr betrifft es den «ungebundenen Sport» – auf dem Pausenplatz, den Quartiersträsschen oder im Wald.

Die Gründe für diesen Rückgang sind vielschichtig. «Studien zeigen, dass Jugendliche deutlich mehr Zeit mit Computerspielen und sonstiger Mediennutzung verbringen, als früher», sagt Matthias Remund, Direktor des Baspo. Tatsächlich warten heute zu Hause in vielen Stuben Spielkonsolen auf die Kinder. Games sind dramaturgisch geschickt aufgebaut und diese Spannung schafft es, Gamer total in ihren Bann zu ziehen. Auch ein Smartphone besitzen junge Menschen heute immer früher, dort stehen den Kindern die Türen ins Internet, und somit in die sozialen Medien, offen. Die von den neuen digitalen Aktivitäten verschlungene Zeit, fehlt den Jugendlichen für Sport. Zu Hause warten Anreize, um früher wieder vom Pausenplatz zurückzukehren.

Einen weiteren Grund für den Rückgang sieht Matthias Remund darin, dass immer weniger Raum für Spiel und Spass zur Verfügung steht. Naturrasen-Fussballplätze werden in vielen Gemeinden so intensiv genützt, dass der Platzwart diese sperren muss, wenn keine Mannschaften darauf trainieren. Andere Wiesen und Felder, die als Ausweichmöglichkeit dienen könnten, werden mit Siedlungen überbaut. Zum Raumproblem trägt auch der immer dichter werdende Verkehr bei. «Früher war es noch kein Problem, auf Quartiersträsschen zu spielen. Diese Möglichkeiten gehen zurück», sagt Remund weiter. Auch den Druck auf die Kinder und Jugendlichen in der Schule, gibt Remund als weiteren möglichen Grund an.

Baspo will weiter unterstützen

Was macht das Bundesamt für Sport nun mit den Erkenntnissen? «An der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche ihre Freizeit je länger, desto mehr ohne ungebundenen Sport verbringen wollen, können und wollen wir nichts ändern», bekräftigt Remund. Viel mehr will er die bestehenden Angebote weiter fördern. Neben finanzieller Unterstützung will Remund auch die Ausbildungen für Trainer und Leiter verbessern. Denn dem Trend zum Sport im Verein kann man auch Positives abgewinnen. Mit guter Ausbildung der Leiter kann man sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche die Sportarten von Grund auf korrekt lernen. So ist beispielsweise auch die Chance grösser, dass ein talentierter Junior entdeckt und gefördert werden kann.

Der Erfolg des Verein- und Schulsports birgt allerdings auch eine Gefahr. Je erfolgreicher diese Angebote sind, desto teurer werden sie für den Staat. «Klar, wir haben gut acht Millionen Budget und wenn wir mehr Vereine und Sportlehrer, die Schulsport geben, unterstützen müssen, dann bleibt für alle ein bisschen weniger übrig», sagt Remund. Erst jüngst musste das Baspo aus genau diesem Grund bekannt geben, dass die Gelder für Jugend+Sport-Lager ab August um 25 Prozent gekürzt werden müssen. «Wir sind Opfer des eigenen Erfolgs geworden», liess sich das Baspo in einer Medienmitteilung Ende März zitieren. Remunds Plan, weiter in Vereine und Schulsport zu investieren, wird also auch davon abhängig sein, ob die Förderung des Jugendsports in den Budgets von Bund und Kantonen dementsprechend gewichtet wird.

Eine Studie des Bundesamts für Sport zeigt: Kinder und Jugendliche treiben immer weniger Sport

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