Coronavirus

Gesundheitsdirektoren-Präsident: «Es braucht einen Slowdown, keinen Lockdown» – Sieben Fragen und Antworten zum Krisentreffen

Es brauche weitere Massnahmen, sagen Bundesrat Alain Berset (rechts) und GDK-Präsident Lukas Engelberger.

Es brauche weitere Massnahmen, sagen Bundesrat Alain Berset (rechts) und GDK-Präsident Lukas Engelberger.

Bund und Kantone gleisen neue Massnahmen auf. Neue Einschränkungen dürften vor allem den Freizeitbereich betreffen. Die Anzahl Kontakte müsse sinken, sagt Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK).

Normalerweise kommen in der Schweiz selbst Bundesräte pünktlich an die Medienkonferenz. Aber derzeit ist vieles nicht normal. Und so dauerte es nach dem Treffen von Bundesrat Alain Berset mit den kantonalen Gesundheitsdirektoren in Bern eine halbe Stunde länger als geplant, bis Berset und GDK-Präsident Lukas Engelberger über die Gespräche informierten. Sie stimmten die Bevölkerung auf neue Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ein. Sieben Fragen und Antworten dazu:

1. Welche Massnahmen sind geplant?

Im Detail ist das noch nicht bekannt, die Richtung aber ist klar: Beschränkungen bei Veranstaltungen, Ansammlungen und öffentlichen Einrichtungen. Der Präsident der kantonalen Gesundheitskonferenz (GDK), Lukas Engelberger, nannte als Beispiele unter anderem Einschränkungen von Freizeit- und Sport-Aktivitäten, eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz und beschränkte Betriebszeiten für Restaurants. Die GDK appellierte an alle Kantone und den Bund, weitere Massnahmen zu ergreifen.

2. GDK-Präsident Engelberger sprach von einem «Slowdown». Was ist damit gemeint?

Das öffentliche Leben müsse verlangsamt werden, forderte Engelberger. Wirtschaft, Bildung und das elementarste gesellschaftliche Leben sollten weitergehen. «In der Freizeit müssen wir uns aber beschränken.» Engelberger appellierte an die Bevölkerung, sich im Alltag vorsichtig zu bewegen und «Kontakte, die nicht essenziell sind, zu unterlassen».

3. Was geschieht nun?

Verschiedene Kantone dürften laut Engelberger in den kommenden Tagen Verschärfungen beschliessen. Der Bundesrat seinerseits will kommenden Mittwoch über weitere Massnahmen entscheiden. Die Vorschläge dafür seien in Vorbereitung, sagte Berset. Details könne er noch nicht nennen.

4. Warum handelt der Bundesrat nicht früher?

Der Bund muss zuerst eine Konsultation bei den Kantonen durchführen. Das brauche Zeit, sagte Berset. Zudem wolle man abwarten, ob die letzten Sonntag getroffenen Massnahmen Wirkung zeigten.

Vorbildlich mit Maske: GDK-Präsident Engelberger (links) und Bundesrat Berset auf dem Weg zur Medienkonferenz. Im Hintergrund Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit.

Vorbildlich mit Maske: GDK-Präsident Engelberger (links) und Bundesrat Berset auf dem Weg zur Medienkonferenz. Im Hintergrund Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit.

5. Wie ist die Rollenteilung zwischen Bund und Kantonen?

Die wichtigsten Massnahmen, insbesondere zum Verhalten im Alltag, sollen auf Bundesebene geregelt werden. Das soll für eine gewisse Einheitlichkeit sorgen und den Massnahmen mehr Autorität verleihen. Die Kantone sollen weitergehende Beschränkungen beschliessen können. Was das konkret bedeutet, blieb gestern vage.

6. Drohen schweizweit solch drastische Einschränkungen wie im Wallis?

Weitere Kantone dürften in diese Richtung gehen, sagte Engelberger. Bei den Massnahmen auf Bundesebene will sich der Bundesrat an der gesamtschweizerischen Situation orientieren und nicht am stärksten betroffenen Kanton, wie Berset sagte. Er liess durchblicken, dass er aktuell Massnahmen wie im Wallis schweizweit nicht für angezeigt hält; dies könne sich je nach Entwicklung aber ändern.

7. Wer zahlt die Kosten der zweiten Welle?

Das ist offen. Finanzielle Hilfen seien beim Treffen ein Thema gewesen, sagte Berset. Zuerst einmal stehe aber die gesundheitliche Lage im Vordergrund. Wenn man jetzt über Kostenfragen diskutiere, verliere man Zeit – und müsse dann umso einschneidendere und teurere Massnahmen treffen, warnte er.

Autor

Maja Briner

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