Basel

«Gefährlich sind die Deponien wegen des Chemiemülls»

Der Kanton buckle vor der Chemie, sagt Martin Forter von Greenpeace. Und zur Entwarnung gebe es keinerlei Grund.

Birgit Günter

Der Kanton sagt, dass die Muttenzer Deponien heute wegen geänderter Strömungen keinen Einfluss mehr auf das Trinkwasser haben.
Martin Forter: Das halte ich für eine sehr gewagte Aussage. Die Muttenzer Hard ist ein einziger grosser Spülkasten. Sie vermuten zwar, dass es keinen Nordabfluss Richtung Trinkwasseraufbereitung mehr gibt, ganz sicher ist das aber nicht. Zudem ist nicht untersucht, was mit dem Westabfluss genau passiert.

Sie glauben also, die im Wasser gefundenen Stoffe stammen immer noch aus den Deponien?
Forter: Ja.

Ebenfalls Protest angemeldet haben Sie beim Kostenschlüssel. Die Chemie, die 25 Prozent übernimmt, werde geschont.
Forter: Ganz klar. Die Fordernung nach nur 25 Prozent ist eine absolut defensive Haltung des Kantons. Denn wenn jemand den Müll da reingschüttet hat im Wissen, dass das keine harmlosen Stoffe sind, dann die Chemie - früher hat man den Abfall ja in den Rhein geleitet, und als es dann ein grosses Fischsterben gab, ist man auf die Deponien ausgewichen. Die Chemie hat zudem gewusst, dass eine Grundwasserproblematik besteht.

Trotzdem: Nur geschätzte 2 Prozent des Mülls sind Chemiemüll. Da scheinen 25 Prozent der Kostenübernahme fair.
Forter: Der Anteil an der Deponie ist völlig unwichtig. Denn gefährlich sind diese Deponien wegen des Chemiemülls. Egal, ob der nun ein halbes oder 20 Prozent ausmacht - was durchaus auch möglich ist, denn so genau weiss das ja niemand; das sind alles nur ganz grobe Schätzungen.

Was soll der Kanton also tun?
Forter: Er soll verlangen, dass die Chemie alle Deponien saniert - dass eine Deponie neben einer Trinkwassergewinnungsanlage nicht geht, sollte jedem klar sein. Ausserdem muss die Chemie sämtliche Kosten übernehmen.

In dem Fall, so Regierungsrat Krähenbühl, würde die Chemie sich weigern und sich die Sanierung um Jahre verzögern.
Forter
: Ich bin überzeugt, wenn der Kanton zusammen mit dem Bafu forscher auftreten würde, dann würde es funktionieren - so wie in Bonfol, wo jetzt plötzlich doch die Chemie zahlt. In Muttenz aber soll die öffentliche Hand insgesamt fast drei Viertel der Kosten übernehmen - das darf einfach nicht sein.

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