Podium
Gemeinderatskandidaten im Quiztest

Wenn ein Gemeinderat fast komplett neu besetzt werden muss, interessiert, was die Kandidierenden zu sagen haben. Gegen 100 Personen kamen deshalb an das Wahlpodium in Niederrohrdorf.

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Podium GR Niederrohrdorf

Podium GR Niederrohrdorf

Aargauer Zeitung

Andreas Tschopp

«Wer wird neues Gemeinderatsmitglied?»: Zu dieser Frage, frei angelehnt an den Titel einer berühmten TV-Show, führte Moderator Roman Huber, Leiter der AZ-Regionalredaktion Ost in Baden, nach der Vorstellungsrunde zum Einstieg ein kleines Quiz mit den fünf Kandidaten auf dem Podium durch. Zu beantworten galt es Fragen nach dem Gründungsjahr der Gemeinde Niederrohrdorf (1854), deren Fläche (333 Hektaren), Anzahl der Arbeitsplätze (700) und der Nationalitäten (47) aller im Dorf lebenden Ausländer (585), bis hin dazu, welche Berge von Niederrohrdorf aus sichtbar sind (Eiger und Jungfrau, Matterhorn nur bei ganz schönem Wetter und von erhöhter Position, wie Max Mayer anmerkte). Die Resultate reichten von «unbedingt wählen», wenn alles richtig beantwortet wurde, über «mit Glück im 2. Wahlgang» bei mittlerer Punktzahl, bis hin zu «2013 nochmals kandidieren» bei schlechtem Abschneiden. Obwohl der Moderator auf eine Offenlegung verzichtete, wurde rasch klar, wer am besten Bescheid weiss über die Gemeinde. Ammannkandidat Gregor Naef brannte richtiggehend darauf, die passende Antwort zu geben.

Von den Grenzen des Wachstums . . .

Als erstes Thema stellte Gesprächsleiter Huber das rasante Wachstum Niederrohrdorfs (+900 Einwohner seit 2000) zur Diskussion. Er wolle dieses bremsen, sagte Samuel Kümin. Max Mayer betonte, dass die Weichen dafür mit dem Einzonungsentscheid vor 12 Jahren bewusst gestellt worden seien. Es sei nun nicht so einfach, das Steuer herumzureissen, da der «Bremsweg» mit 10 Jahren sehr lang sei. Auch Martina Egger plädierte für mehr Zurückhaltung. Reto Grunder dagegen sprach von einer «gesunden und positiven Entwicklung». Es werde eher wieder stagnieren, meinte Gregor Naef und betonte: «Der grosse Boom liegt hinter uns.»

Die Kandidierenden

Gemeinderat und Ammann:
Gregor Naef, 54, Fachhochschuldozent; von FDP nachnominiert als Ammann;
Stephan Bassler, 34, Polizist, parteilos; «offizieller» Kandidat, nahm ferienhalber nicht am Podium teil;
Gemeinderat und Vizeammann:
Max Mayer, 53, Seklehrer, CVP, einzig wieder kandidierender Gemeinderat;
Gemeinderat:
Martina Egger, 42, Familienfrau, verwitwet, 3 Kinder, arbeitet zu 50%, SVP
Reto Grunder, 45, FH-Ingenieur,
Manager Telekommunikation, FDP
Samuel Kümin, 42, lebt getrennt mit
2 Töchtern, Postautochauffeur, parteilos

. . . zur «heiklen» Zusammenarbeitsfrage

Eine Zusammenarbeit mit Oberrohrdorf sei «zwingend angesagt», hob Naef beim Thema Schule hervor. «Die Oberstufe muss unter ein Dach», betonte auch Max Mayer. Er erachte eine Zusammenarbeit mit Oberrohrdorf unter dieser Bedingung aber als schwierig, meinte der Sekundarlehrer und Vizeammannkandidat, der im Zusammengehen mit Baden eine Alternative sieht. Martina Egger sprach die «Verrohung» an, die auf dem Schulhausplatz wegen einer Jugendbande herrsche. Sie wolle sich daher darum als Ressortverantwortliche kümmern, so die SVP-Kandidatin.

«Eigenständig bleiben und Synergien nutzen», meinte Gregor Naef zum Thema Gemeindezusammenarbeit oder -fusion. Darüber hätte man diskutieren müssen, bevor beidenorts neue Gemeindehäuser gebaut wurden, merkte Samuel Kümin an, der die Zusammenlegung der Feuerwehren miterlebt hat. Er erachte es als sinnvoll, auch Finanzen/ Steuern und das Betreibungsamt zusammenzulegen, sagte Max Mayer, bezeichnet das Thema aber als «heikel», da man es vor fünf Jahren verpasst habe, dies und auch andere Fragen genauer zu untersuchen. «Das belastet uns noch heute», erklärte der erfahrene Gemeinderat. Mayer sieht daher Probleme bei kleineren Annäherungsschritten, auf die Naef setzt. Es sei für ihn «erschreckend», dass Gemeinden sich konkurrenzieren statt zusammenspannen würden, betonte Reto Grunder, der die übergrosse Anzahl Gemeinden in der Schweiz beklagt und daher neue Lösungen herbeiführen will.

Nachdem alle anwesenden Kandidaten in der Fragerunde betont hatten, genügend Zeit für das Amt investieren zu können, fügte FDP-Präsident Werner Rufli zum Schluss noch an, dass im ersten Wahlgang alle Stimmberechtigten in Niederrohrdorf wählbar seien.

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