Davos

Greta und Trump mobilisieren die WEF-Gegner: Demos in der ganzen Schweiz geplant

Solche Bilder wie hier aus Basel im Jahr 2006, als rund 1500 WEF-Gegner protestierten, sind selten geworden. Jetzt sind wieder so viele Demos wie kaum je angekündigt.

Solche Bilder wie hier aus Basel im Jahr 2006, als rund 1500 WEF-Gegner protestierten, sind selten geworden. Jetzt sind wieder so viele Demos wie kaum je angekündigt.

Dieses Jahr sind so viele Demonstrationen wie kaum je angekündigt. Greta Thunbergs WEF-Auftritt ist umstritten. Trump kommt nun definitiv.

Der Widerstand gegen das Weltwirtschaftsforum WEF in Davos wird wieder stärker. Nachdem sich zuletzt nur noch Linksradikale, die Juso und lokale Kräfte aus Graubünden gegen das Treffen von Staats und Wirtschaftschefs auf die Strasse gewagt hatten, ist in diesem Jahr eine Zunahme an Aktivitäten von WEF-Gegnern zu verzeichnen.

Noch ist offen, wie viele Menschen tatsächlich auf die Strasse gehen. Gelegenheiten dazu bieten sich in diesem Jahr aber so viele wie kaum je in der Geschichte des Protestes gegen das Forum. Bereits am letzten Wochenende fanden in der Berner Reitschule Anti-WEF-Veranstaltungen mit Aktivisten aus Chile statt. Diesen Samstag wird in Luzern gegen das WEF demonstriert. Aufgerufen hatte die Gruppe Resolut, was für revolutionär, emanzipatorisch, solidarisch stehen soll.

Mit Tourenski wollen WEF-Gegner nach Davos

Am Samstag in einer Woche ist in Bern eine Demonstration für 15:00 Uhr angekündigt. Am Morgen danach bricht eine WEF-kritische Winterwandergruppe von Landquart aus − zum Teil mit Tourenski − in Richtung Davos auf, wo sie am Eröffnungstag des WEF, am Dienstag den 21. Januar eintreffen soll. Gleichentags dürfte sich die Wanderung in der Bündner Bergstadt mit lokalen Kräfte zu einer weiteren Demonstration formieren. Ein Gesuch der Jungsozialisten hat die Davoser Regierung bewilligt.

Die schwedische Klima-Aktivistin letztes Jahr nach ihrer Ankunft in Davos. Auch wegen ihrem Satz: «Ich will, dass ihr in Panik ausbrecht» wurde sie weltweit berühmt. Dieses Jahr bitten Aktivisten sie, nicht am offiziellen WEF teilzunehmen.

Die schwedische Klima-Aktivistin letztes Jahr nach ihrer Ankunft in Davos. Auch wegen ihrem Satz: «Ich will, dass ihr in Panik ausbrecht» wurde sie weltweit berühmt. Dieses Jahr bitten Aktivisten sie, nicht am offiziellen WEF teilzunehmen.

Am Mittwoch, den 22. Januar, wird dann in Zürich unter dem Motto «Züri gäge s WEF» demonstriert. Zu diesen vier Demonstrationen und einer Wanderung kommen Veranstaltungen. In Zürich organisieren die Kommunisten des Revolutionären Aufbaus an diesem Wochenende ein «Winterquartier gegen das WEF», wo nostalgisch zurückgeschaut wird, «wie die Anti-WEF-Bewegung in den letzten 20 Jahren das ruhige Hinterland der Weltwirtschaft angriff». Die «Bewegung für den Sozialismus» wiederum lädt eine Woche später ebenfalls in Zürich zum Protest-Forum «das andere Davos» ein.

Diese Häufung von WEF-kritischen Anlässen erstaunt. Denn in den letzten Jahren ist die Bewegung erlahmt. Dem WEF − einst wegen elitärer Hinterzimmerpolitik in der Kritik − gelang es Kritiker etwa aus Nichtregierungsorganisationen zu integrieren. Für die lokale Bevölkerung wurde zudem das Open Forum geschaffen, wo Prominenz zum Fussvolk spricht. Dieses Jahr werden zudem unter den Davosern zehn WEF-Tagespässe verlost. Journalisten werden akkreditiert oder gleich als «Media-Leader» eingeladen.

Zudem wurde der Protest heftig bekämpft. 2004 etwa kesselte die Polizei in Landquart über 1000 Demonstranten ein. Die Abschreckung wirkte, der Protest nahm ab.

Die jetzige Auferstehung der Anti-WEF-Bewegung ist auf die Klimajugend zurückzuführen. Das zeigen die Protestaufrufe. Wurde das WEF früher vor allem als undemokratisch kritisiert oder als Kapitalistentreffen gegeisselt, liegt die Betonung in diesem Jahr auf der Umweltzerstörung, für welche die WEF-Mitglieder verantwortlich seien. Süffisant erwähnt wird etwa, dass die Staats- und Konzernchefs mit Privatjets anreisen und dass es sich vorwiegend um alte weisse Männer handle.

Greta Thunberg: Darling des WEF und deren Gegner

Allerdings gehören nicht nur die Erdölkonzerne BP und Shell zu den WEF-Gästen, sondern auch die Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Diese zeigte sich letztes Jahr sowohl am Forum selbst als auch an einer Klima-Demonstration in Davos. Über die Rolle der schwedischen Schülerinnen sind die WEF-Kritiker uneins. Die «Bewegung für den Sozialismus» wandte sich am Donnerstag in einem offenen Brief an die Protestikone. «Wir bitten dich nicht am WEF teilzunehmen» heisst es in dem auch auf Englisch veröffentlichten Schreiben. Durch eine Teilnahme würden nur die Existenz des WEF und dessen Entscheidungen legitimiert. Dabei würden die Forumsmitglieder die Bekämpfung des Klimawandels verhindern. Thunberg solle doch am «anderen Davos» teilnehmen, das unter dem Motto «System Change not Climate Change» stattfindet.

Die Gruppe «Strike WEF», die am Donnerstag eine Bewilligung für die Winterwanderung nach Davos einreichte, zeigt hingegen Verständnis für Thunbergs WEF-Teilnahme. «Wir lassen uns nicht spalten, nur weil einige andere Herangehensweisen an das Problem haben», sagt eine Sprecherin. Man habe Thunberg zur Wanderung eingeladen und stehe mit ihrem Team in Kontakt.

Weitere WEF-Gegner dürfte der Besuch von Donald Trump mobilisieren. Seine Sprecherin hat die Teilnahme bestätigt.

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