Plötzlich schlug ihr in der Schweiz Feindseligkeit entgegen. Weil Alice Weidel, die Politikerin der Alternative für Deutschland (AfD), angeblich nicht in eine links geprägte Stadt wie Biel passe.

Weil Alice Weidel, die im Deutschen Bundestag sitz, Sätze von sich gibt wie: «Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.» Gleichzeitig knüpfte sie aber in der zweisprachigen Schweizer Stadt Kontakt mit syrischen Flüchtlingen. Und weil Alice Weidel, die in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, so gar nicht dem Bild entspricht, das die migrationskritsch-konservative AfD von sich gibt.

Im April 2017 berichteten Medien, dass Weidel mit ihrer Freundin und deren Kinder in Biel wohnt. Seither wurde sie von linken Kreisen, in denen sie verkehrte, geschnitten. Man schleuderte ihr ins Gesicht, dass ihr politisches Verhalten nicht mit der Party vereinbar sei, auf der sie ihr Bier trinke. Gesinnungskontrolle im Ausgang also.

Im letzten November hatte die Spitzenpolitikerin genug. Sie kehrte Biel, wo sie ihren Zweitwohnsitz hatte, den Rücken, zog nach Baden-Württemberg. Jetzt ist die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag in die Schweiz zurückgekehrt. Sie schätze insbesondere die beeindruckende Natur und die Freundlichkeit der Menschen, lässt ihr Sprecher Daniel Tapp ausrichten.

Sie lebt in einer grösseren Gemeinde in der Zentralschweiz

Ihr Hauptwohnsitz und Steuersitz seien in Deutschland. Aus Gründen der Sicherheit und des Datenschutzes der Familie könne er zu weiteren Fragen keine Informationen geben. «CH Media» weiss aber: Die umstrittene Politikerin wohnt in einer grösseren Gemeinde in der Zentralschweiz, mit Blick auf die Alpen. Ein politisch interessierter Nachbar hat Weidel erkannt. Die betreffende Gemeinde beantwortet keine Fragen zur prominenten Neuzuzügerin.

Es ist gut möglich, dass Weidel eine Datensperre veranlasst hat. Das können Personen tun, die ein schutzwürdiges Interesse haben. Unter gewissen Umständen erhält man nämlich bei Gemeinden Auskunft über Wohnort und Adresse von Einzelpersonen. Dass Weidel dies verhindern will, ist nachvollziehbar. Sie wurde quasi aus Biel verjagt. Damals, als Zeitungen über ihre Anwesenheit in Biel berichteten, lauerten Kameras sogar beim Kindergarten darauf, die Kinder ihrer Partnerin zu filmen.

Scharfe Worte gegen Eritreer aus der Schweiz

Die 40-jährige Alice Weidel hat Wirtschaft studiert und trägt den Doktortitel. Sie hat sich einen Namen als scharfe Eurokritikerin gemacht. Scharfe Worte tippt sie immer wieder in ihre Twitternachrichten – zum Beispiel, nachdem ein aus der Schweiz nach Deutschland eingereister Eritreer Ende Juli am Bahnhof in Frankfurt einen Buben aufs Gleis geschubst hatte.

Mit «Grenzkontrollen und Zusammenarbeit», so Weidel, wäre der Mann gar nicht nach Deutschland gelangt, weil er in der Schweiz zur Fahndung ausgeschrieben gewesen sei. Garniert wurde die Kritik mit einer Spitze gegen die «grenzenlose Willkommenskultur». Bloss: Der mutmassliche Täter hätte eine Grenzkontrolle problemlos passieren können. Erstens kann er als anerkannter Flüchtling im Schengenraum herumreisen.

Zweitens war er nicht im Schengener Informationssystem ausgeschrieben. Doch Weidel liess es sich nicht entgehen, den tragischen Vorfall politisch auszuschlachten. In einem Beitrag für die Wochenzeitung «Junge Freiheit» legte sie noch eine Schippe nach: «Der Schweizer Eritreer war – welch ein Zufall – angeblich psychisch gestört. Merkwürdig, dass Täter aus Migrantenkreisen häufig psychisch gestört sind. Klingt nicht nach Fachkräften.» Aussagen wie diese kommen auch bei einem Teil ihrer neuen Nachbarschaft nicht besonders gut an, wie diese Zeitung weiss. Immerhin ticken aber dort die politischen Uhren anders als in Biel: In der Gemeinde dominieren die Bürgerlichen.

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