Corona-Pandemie

Hoffnung auf den positiven Effekt: Jetzt kommen endlich die Schnelltests

Die Hürde, sich testen zu lassen, wird massiv gesenkt.

Die Hürde, sich testen zu lassen, wird massiv gesenkt.

Der Bundesrat erhöht die Kapazitäten für Tests massiv: Ab Montag stehen in der Schweiz nicht mehr nur 30'000 Tests pro Tag zur Verfügung, sondern 80'000. Möglich ist dies, weil der Bundesrat im grossen Stil Schnelltests bestellt und eingekauft hat: Täglich sollen nun 50'000 solcher Antigen-Tests angewendet werden.

Von dieser Investition verspricht sich der Bundesrat mehrere Vorteile für die Bekämpfung der Pandemie. So erhalten Personen mit leichten Symptomen besseren Zugang zu den Tests. Anstatt stundenlang für einen Labor-Test Schlange zu stehen, weil der Hals etwas kratzt oder die Nase verstopft ist, können neu Arztpraxen, Spitäler, Testzentren sowie einzelne Apotheken Schnelltests durchführen.

Ein weiterer Vorteil: Das Ergebnis eines Schnelltests liegt – wie der Name verspricht – innert bloss 15 Minuten vor. Das heisst, die getestete Person muss nicht mehr ein bis zwei Tage warten, bis das Labor ein Ergebnis liefert. Dadurch können infizierte Personen schneller erkannt und besser isoliert werden. Sie meiden Kontakte, die möglicherweise zu weiteren Infektionen führen würden.

Hoffnung auf einen «Gamechanger»

Solche positiven Effekte haben laut Behörden erste Erfahrungen mit den Tests gezeigt. Bei der Bevölkerung steigt die Bereitschaft, sich testen zu lassen – und bei entsprechendem Ergebnis ihr Umfeld zu informieren. Auch die Wirtschaft verspricht sich viel von den neuen Tests. Rudolf Minsch, Chefökonom beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, bezeichnet sie als «Gamechanger»: «Wenn beispielsweise nach einer Hochzeit, nach einer Arbeitsschicht oder in einer Abteilung ein Coronafall auftaucht, müssen fortan nur noch alle zum Schnelltest. Und nur wer wirklich positiv getestet wird, muss auch in Quarantäne», sagte er vergangene Woche.

Rudolf Minsch, Chefökonom und Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse. (Archivbild)

Rudolf Minsch, Chefökonom und Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse. (Archivbild)

Inwiefern das Aufstocken der Tests der Bekämpfung der Pandemie tatsächlich hilft, ist zumindest im Bundesamt für Gesundheit umstritten. Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, sagte an der Medienkonferenz vom Dienstag, testen alleine sei auch nicht die Lösung – und verwies auf Luxemburg, das zwar viel testet, aber die Pandemie auch nicht in den Griff bekommt. Zudem sind laut Masserey bisher nicht die Kapazitäten das Problem gewesen. «Wir können die Leute nicht zwingen, sich testen zu lassen», so die Leiterin der Infektionskontrolle.

Immerhin: Durch die Einführung der Schnelltests wird nun der Zugang zu Tests für eine breite Bevölkerungsschicht erleichtert und so die Hürde, sich testen zu lassen, massiv gesenkt.

Ein Test kann eine Infektion nicht ausschliessen

Es stellt sich also die Frage: Wieso hat der Bundesrat die Schnelltests erst jetzt eingeführt? Laut eigenen Angaben hat der Test erst noch evaluiert werden müssen. Tatsächlich birgt er eine grosse Schwäche: Antigentests sind weniger zuverlässig als das Labor-Verfahren bei den bisherigen PCR-Tests. Je nach Anwendung ist die Fehlerquote beträchtlich. Ein Test kann eine Infektion nicht komplett ausschliessen.

Der Bund (im Bild Gesundheitsminister Alain Berset) hat hohes Vertrauen in die Schnelltests. (Archivbild)

Der Bund (im Bild Gesundheitsminister Alain Berset) hat hohes Vertrauen in die Schnelltests. (Archivbild)

Bei Personen, die eigentlich positiv sind und das Virus in sich tragen, zeigt der Test zuweilen keine Infektion an. Das ist insofern problematisch, weil der Betroffene sich in falscher Sicherheit wiegt und möglicherweise so andere Personen ansteckt. Um diese Fehlerquote möglichst tief zu halten, hat der Bundesrat klar definiert, wer für die Tests zugelassen ist und wer sie ausführen darf.

Hohes Vertrauen seitens der Behörden

Grundsätzlich sollen alle gefährdeten und hospitalisierten Personen sowie Gesundheitspersonal weiterhin den sichereren PCR-Test machen. Wer hingegen Symptome hat oder hatte, die weniger als vier Tage her sind, oder über die SwissCovid App gewarnt wurde, kann einen Schnelltest machen. Denn das sind Personen, die potenziell ansteckend sind. Bei ihnen ist laut Bundesrat der Antigen-Schnelltest «äusserst zuverlässig», die «Empfindlichkeit der Tests sehr hoch».

Ausserdem: Wer negativ getestet wird, muss bei Symptomen auch künftig den offiziellen Anweisungen folgen und mindestens bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome die Isolation fortführen. Personen, die über die Swiss­Covid App gewarnt wurden, müssen bei positivem Schnelltest zudem einen PCR-Test machen, um das Resultat zu bestätigen. Ein einziger Test kann eine Infektion nicht zu hundert Prozent ausschliessen – das gilt sowohl für PCR- wie auch für Antigen-Tests.

Die Rechnung übernimmt der Bund

Bundesrat Alain Berset mahnte gestern, dass mit den Schnelltests die Kapazitäten zwar massiv erhöht werden, dass deren Anzahl aber weiterhin nicht gross genug sei, um die Pandemie zu kontrollieren. «Die Tests werden darum sparsam und gezielt eingesetzt», sagte der Gesundheitsminister. Der Bund gibt Empfehlungen zur Anwendung, verantwortlich sind die Kantone. Sie können auch nicht beliebig Tests bestellen. Weil sie begrenzt sind, werden sie je nach Bevölkerungszahl verteilt.

Wie bei den bisherigen PCR-Tests mit Labor-Befund wird auch bei den Antigen-Schnelltests der Bund die Rechnung dafür begleichen. Der Grund dafür ist immer derselbe: Wer Symptome hat, soll sich testen lassen. Geld soll keine Hürde darstellen. Nur so können Infizierte erkannt und die Pandemie eingegrenzt werden.

Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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