Staatsbesuch

Hollandes Z'Nacht: Weisswein für 25 Franken und Älpler-Magronen

François Hollande mit Simonetta Sommaruga bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

François Hollande mit Simonetta Sommaruga bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Bei einem Staatsbesuch gilt es eine Vielzahl von geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen zu beachten. Angefangen beim Empfangskommittee bis zur Auswahl der Speisen für das abendlichen Galadiner.

Kommen hohe Staatsgäste in die Schweiz, herrscht im Aussendepartement (EDA) Ausnahmezustand. Bis ins letzte Detail ist der Besuch durchorganisiert – alles muss auf Anhieb klappen. Probedurchgänge können naturgemäss nicht durchgeführt werden. 

Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf ist das sogenannte Protokoll des EDA, bestehend aus dem Büro des Protokollchefs und zwei weiteren Sektionen.

Wenn nicht gerade hohe Gäste zu Besuch kommen, verfassen diese unter anderem Kondolenzschreiben an Staats- und Regierungschefs oder gehen rechtlichen Fragen in der Diplomatie nach.

Grundlagen für offizielle Besuche liefert das Eidgenössische Protokollreglement. Da heisst es zum Beispiel, dass der Gast «grundsätzlich in einem führenden Berner Hotel» untergebracht werde. Auch dass der Gesamtbundesrat den Gast zu empfangen hat, ist reglementarisch festgehalten – eine Eigenheit eines Staatsbesuchs.

Im Gegensatz dazu steht etwa ein «offizieller Besuch eines Staatsoberhaupts»: Dann trifft nur eine Delegation des Bundesrats den hohen Gast aus dem Ausland. Das eigentliche Programm des Besuchs stellt das EDA-Protokoll in Zusammenarbeit mit der diplomatischen Mission des entsprechenden Staates zusammen.

Als François Hollandes Maschine am Mittwoch um 14 Uhr am Flughafen Bern-Belp landete, begrüsste ihn eine Willkommensdelegation – auch das verlangt das Protokoll. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga schüttelte dem französischen Präsidenten als Erste die Hand, auch Bundeskanzlerin Corina Casanova und weitere ranghohe Vertreter der Behörden hatten die Ehre.

Sommaruga schenkte Kunst

Dass Hollande auf dem Berner Münsterplatz mit militärischen Ehren empfangen wurde, stellt die höchste Form des protokollarischen Zeremoniells dar. «Das ist allerdings nur symbolischer Natur. Es zeigt, dass der Staatsgast während seines Besuchs unter dem Schutz der Eidgenossenschaft steht», sagte Gabriele Schreier, die stellvertretende Protokoll-Chefin des Aussendepartements, gegenüber Radio SRF.

Auch der Austausch von offiziellen Geschenken oder der Eintrag ins «goldene Gästebuch» des Bundesrats im «Bernerhof» waren keine spontanen Aktionen. Wie das EDA auf Anfrage mitteilt, überreicht die Schweiz bei ähnlichen Gelegenheiten oftmals eine Pendeluhr von Jaeger-LeCoultre. Die Bundespräsidentin darf auf Wunsch allerdings davon abweichen, was Justizministerin Sommaruga tat: Sie überreichte Hollande eine Gravur des Schweizer Artisten Franz Gertsch.

Schweizerisches Menü

Besonders viele Fettnäpfchen lauern beim abendlichen Galadinner: «Zuerst gilt es immer abzuklären, ob es medizinische, religiöse oder anderweitig bedingte Restriktionen gibt», sagt Schreier.

In einem zweiten Schritt bemühe sich die Schweiz, ein Menü mit einer Vielfalt von schweizerischen Produkten und Gerichten auszuwählen.

Der Blick auf die Speisekarte offenbart tatsächlich viel Schweizerisches: Nach dem Wandersaibling zur Vorspeise gab es Älplermagronen und einen Brasato aus dem Tessin.

«Dr Bsoffnig», ein Hartkäse aus dem Kanton Bern, rundete das edle Mahl ab. Dazu wurden Hollande und seiner Entourage ein Petite Arvine aus dem Wallis und ein Merlot aus dem Tessin serviert.

Die Auswahl der Weine dürfte auch den argwöhnischsten Steuerzahler des Landes wenig empören – den Roten gibts im Handel für 49 Franken, den Weissen gar für 25 Franken zu kaufen.

Hollande zu Besuch in der Schweiz: Nach dem Empfang am Flughafen Bern-Belp gings weiter auf den Berner Münsterplatz, wo er vom Gesamtbundesrat begrüsst wurde.

Hollande zu Besuch in der Schweiz: Nach dem Empfang am Flughafen Bern-Belp gings weiter auf den Berner Münsterplatz, wo er vom Gesamtbundesrat begrüsst wurde.

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