Schweiz

Hooligans, Mitläufer oder nur Fans? 16 Männer stehen nach Fussball-Randale in Basel vor Gericht

Wüste Ausschreitungen nach Spiel FCB vs. FCZ

Wüste Ausschreitungen nach Spiel FCB vs. FCZ

Nach dem Fussball-Match gehen Basler Chaoten mit Steinen, Flaschen und Petarden auf Polizisten los. 9 Beamte werden verletzt und ein Polizeiauto abgefackelt.

Das Basler Strafgericht muss über die Ausschreitungen im St.Jakob vom April 2016 befinden.

Der Krawall liegt fast vier Jahre zurück: Im April 2016 endete die Partie zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich 2:2, und die Polizei befürchtete, dass sich einige FCB-Anhänger vom Stadion zum Bahndamm durchschlagen könnten, um dann rund um den wartenden Zürcher Extrazug im persönlichen Nahkampf doch noch einen Sieg davonzutragen.

Das Gittertor zum Bahndamm wurde entsprechend bewacht, die Polizei erhielt Verstärkung von zusätzlichen Polizisten. Für einige Fussballfans auf der dortigen Eventplattform war dies eine grobe Provokation auf eigenem Territorium, die Anfeindungen gingen in grobe Gewalt über. Es flogen reihenweise Flaschen, Pyros und Metallstangen auf die Polizei. Ein Polizist wurde gewürgt, ein anderer geschlagen, eine Polizistin erhielt mit voller Wucht einen Tritt in den Rücken. Die meisten gewalttätigen Hooligans konnten danach wieder in der Menge untertauchen. Ein Polizist feuerte schliesslich eine Salve Gummischrot ab, ein Fussballfan verlor dadurch ein Auge. Die Untersuchung gegen den Polizisten wurde inzwischen rechtskräftig eingestellt, er habe sich laut Staatsanwaltschaft wehren dürfen.

Von den wüsten Szenen existiert viel Videomaterial von der Polizei und vom Stadion, doch die Identifizierung der meist vermummten Chaoten war schwierig. Diese Woche nun sitzen immerhin 16 Männer im Alter zwischen 23 und 38 Jahren vor dem Basler Strafgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte sie bereits im Oktober 2017 angeklagt, hauptsächlich wegen Landfriedensbruch und Gewalt gegen Beamte. Einzelne Männer müssen sich auch wegen konkreter Körperverletzungsdelikte verantworten. Die Stimmung war zum Prozessauftakt gestern Montag ruhig. Die Vorfälle liegen einige Jahre zurück, einige der Männer haben inzwischen eine Familie gegründet und kein Interesse mehr an Schlägereien.

FCB-Chaoten gehen auf Polizisten los

FCB-Chaoten gehen auf Polizisten los

Mehrere Angeklagte wollen nicht Stellung nehmen

«Wie sind ihre Kontakte zur Fanszene heute?», fragte Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger alle Männer. Die Antworten waren unterschiedlich: «Ich habe mich völlig distanziert», sagte ein Mann, andere wollten sich zu diesem Punkt nicht äussern. Viele der Angeklagten sind vorbestraft, meist wegen Krawallen an früheren Fussballspielen. Auch Stadionverbote haben viele schon erhalten, diese sind inzwischen allerdings bereits abgelaufen.

Dass sie an jenem Tag auf der Eventplattform dabei waren, wurde am Montag von keinem der Angeklagten bestritten. Viele betonten aber ausdrücklich, sie hätten niemanden bedrohen oder gar Gewalt antun wollen. «Es hat mich hässig gemacht, dass es so einen unverhältnismässigen Polizeieinsatz gab, obwohl es vorher gar keine Konfrontation gegeben hat», erklärte einer der Männer. Mehrere sagten auch, sie würden zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Einer sagte, er sei damals rasch nach Hause gegangen und habe unterwegs gar zwei Polizisten vor der dortigen Gewalt gewarnt.

Die Verteidiger wittern ihre grosse Chance am Dienstag: Als Zeugen geladen sind von der Kantonspolizei der damalige Verantwortliche für die Sicherheit sowie der Gesamteinsatzleiter. Sie werden dem Gericht zur Polizeitaktik Rede und Antwort stehen müssen. Einzelne Verteidiger haben bereits betont, der damalige Polizeieinsatz habe die Gewaltakte der Fussballfans geradezu provoziert. Ein Verteidiger verlangte gar, das Gericht solle die detaillierten geheimen schriftlichen Einsatzpläne einfordern, das Dreiergericht wollte davon allerdings nichts wissen.

Bei einem Schuldspruch drohen den Angeklagten bedingte Freiheitsstrafen, unbedingte Gefängnisstrafen sind in diesem Verfahren nicht zu erwarten. Das Gericht wird die Urteile Anfang März verkünden.

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