Tausend Menschen haben am Samstag vor einer Woche an einem Trauermarsch für Ilias teilgenommen. Der Siebenjährige war zwei Tage zuvor auf dem Schulweg von einer 75-jährigen Frau erstochen worden. Die Tötung ist nach dem derzeit bekannten Stand der Ermittlungen die Tat einer psychisch kranken Frau. Hinweise auf einen ideologischen Hintergrund liegen keine vor.

Am Trauermarsch teilgenommen hat auch Ardian Elezi, der Imam der Basler Moschee «Peace & Blessing». Der 28-Jährige verkündet seine Botschaften auf eine moderne Art: als Youtuber. Er zeichnet die Predigten auf, die er in seiner Moschee hält, und verbreitet sie über die Video-Plattform. So erreicht er nicht nur die paar Dutzend Besucher, die in sein Gotteshaus kommen, sondern 40 000 Follower. So oft wurde sein Monolog angeklickt, den er am Trauermarsch gehalten hat.

In der Online-Predigt erklärt Elezi der albanischen Community, wie sie die Tötung des kleinen Ilias – er war Kosovo-Albaner – zu deuten hat: als Terrorakt einer Schweizerin. Der Imam steht in der Nähe des Tatorts, im Hintergrund sieht man Trauernde vor dem Blumenmeer, er blickt in die Kamera und sagt über die Täterin: «Dieser Mensch ist ein Terrorist.» Dass die Seniorin von den Behörden als psychisch labil dargestellt wird, findet Elezi «höchst problematisch». Wenn das so sei, meint er, warum sei diese Verbrecherin dann draussen gewesen und nicht in einer psychiatrischen Anstalt? Mit erhobenem Zeigefinger predigt er: «Terror hat keine Religion, Terror hat keine Nationalität, Terror hat keine Hautfarbe.»

In einer weiteren Predigt erwähnt Elezi die Tötung in Basel im gleichen Satz mit dem Massaker eines Rechtsextremisten in Neuseeland. Jemand schreibt als Kommentar dazu, Christentum sei Terrorismus. Der Beitrag zeigt, was Elezis Worte bewirken können. Er ist ein Meister der Doppeldeutigkeit. Einerseits predigt er für Toleranz und Frieden. Andererseits schürt er Vorurteile und Hass.

Die Regierung wartet ab

Auf Nachfrage erklärt Elezi, weshalb er entgegen der gängigen Terrorismus-Definitionen von einem Terrorakt spricht. Es müsse nicht zwingend eine Organisation dahinterstecken, behauptet er. Entscheidend sei für ihn die Grausamkeit des Verbrechens. Und für Hasskommentare übernehme er keine Verantwortung. Von den Medien fühle er sich falsch verstanden.

Es ist nicht das erste Mal. In früheren Predigten hatte er Schwule als «Krebsgeschwür» und Rheinschwimmerinnen im Bikini als «teuflische Versuchung» bezeichnet. Nach einem Bericht des «Tages-Anzeigers» sprach er von Missverständnissen.

Elezi steht unter Beobachtung der Task-Force Radikalisierung von Basel-Stadt. Als Reaktion auf seine Aussagen verlangte die CVP vor einem Jahr einen Bericht über radikale Prediger. Die Basler Regierung hat ihn bis heute nicht geliefert.