Während die Schweiz intensiv darüber diskutiert, ob die SRG Gebühren bekommen soll oder nicht, hat Israel seine «Billag» vor knapp drei Jahren abgeschafft. Israelisches Fernsehen existiert noch immer, und hier sind es die Privatsender, die das breite Publikum für sich gewinnen.

Der grosse Aufschwung des Privatsenders «Channel 12» (vormals «Channel 2») begann aber schon viel früher – mit einem einschneidenden Ereignis der israelischen Geschichte: mit der Ermordung des einstigen Premierministers Yizhak Rabin im Zentrum Tel Avivs im Jahr 1995. Während die Journalisten des gebührenfinanzierten Nationalsenders damals vom Schreibtisch aus berichteten, war es «Channel 12», der rasch vor Ort war. Er bekam gar Videoaufnahmen des Mordes zugespielt und zeigte diese als erster Sender in den Nachrichten. Die Marktanteile des Nationalsenders schwanden und somit seine Poleposition. Es war Journalismus, der dem Privatsender zum Erfolg verhalf.

Damals war man in Israel bereits seit Jahren unzufrieden mit der Leistung des Nationalfernsehens, erklärt Nati Toker, Medienjournalist beim israelischen Wirtschaftsmagazin «The Market»: «Die Löhne der Journalisten waren sehr hoch und sie arbeiteten auffällig ineffizient und verschwenderisch. Während die Privatsender bei Ereignissen lediglich einen Kameramann und einen Journalisten losschickten, um möglichst schnell und kostenschonend berichten zu können, bot der Nationalsender jedes Mal eine enorme Entourage auf», sagt er. Die Berichterstattung war durch das Aufgebot nicht besser. «Es wurde viel Geld durch falsch eingesetzte Manpower verschwendet.»

Zuletzt bezahlte man in Israel jährlich 350 Schekel (90 Franken) TV-Gebühren pro Haushalt. Im Verhältnis zum Einkommen etwas weniger als in der Schweiz. Wohin das Geld genau floss, wusste kaum einer. Korruption spielte in dem grossen Fragezeichen eine Rolle. Zudem machte der Sender durch seine schlechte und langsame Berichterstattung von sich reden und zog so den Zorn der Bevölkerung auf sich. «Man hat sich auf seinem sicheren Budget ausgeruht und sah keinen Anlass, härter und effizienter zu arbeiten», so Nati Toker.

Nur noch Autobesitzer zahlen

Heute machen sich Israels TV-Sender international durch ihre Eigenproduktionen und TV-Formate, die in die ganze Welt verkauft werden, einen Namen. Zum Beispiel die Musik-Casting-Show «Rising Star», die man in der Schweiz vom Deutschen TV kennt, kommt aus Israel, so auch die Vorlage für die Erfolgsserie «Homeland». Selbst in Israel gehören Eigenproduktionen zu den beliebtesten Formaten und werden von allen Generationen konsumiert.

Es rentiert sich also, müsste man annehmen, wenn TV-Produktionsfirmen für ihre Sender hochqualitativ produzieren. «Die israelischen Privatsender durchleben eine Krise», weiss Medienjournalist Toker. Der nationale und internationale Erfolg trüge. «Die grossen Produktionsfirmen Keshet und Reshet, welche die beiden grössten Privatsender unter sich haben, produzieren zwar in hoher Qualität, aber auch zu hohen Preisen. Die Einnahmen durch den Verkauf von Formaten und durch Werbung zahlen sich nicht aus.»

Israels Privatsender finanzieren sich ausschliesslich aus Werbung. Der noch existierende Nationalsender «Kan» hingegen bezieht 87 Prozent seines Budgets von den Radiogebühren, die jeder Autobesitzer in Israel jährlich bezahlt. Eine kleine Summe, die lediglich zirka 50 Franken pro Jahr beträgt. Der Grossteil der Israeli schaltet – vor allem für die Nachrichten – trotzdem zu den Privatnachrichten. Enthüllungs-Geschichten und Live-Diskussionen mit Journalisten und Fachpersonen gehören dabei täglich zum Programm. «Das Einzige, was sich heute verhältnismässig günstig produzieren lässt und hohe Einschaltquoten sichert, sind Nachrichten und der damit verbundene investigative Journalismus», sagt Nati Toker. «Modernes Fernsehen muss lernen, mit wenig Mitteln viel zu schaffen. Aufwand und Mittel müssen reguliert werden, aber daran soll der Journalismus nicht scheitern. Im Gegenteil: Es soll ein Antrieb sein.»

Land und Leute im Fokus

Um als privat finanzierte TV-Station überleben zu können und bei der Bevölkerung relevant zu bleiben, müsse man sich auf die Geschehnisse in seinem Land konzentrieren und beispielsweise ein Problem der Provinz in einen nationalen Zusammenhang bringen. «In Israel spielt es keine Rolle, in welcher Ecke des Landes sich ein Ereignis abspielt: Es fühlen sich immer alle gleich angesprochen. Was jemandem im Norden passieren kann, kann auch jemanden im Süden des Landes treffen.» Röschtigraben? Auch den könne man durch hochqualitative Nachrichtenformate überwinden, ist sich Nati Toker sicher. «Damit ein Privatsender überleben kann, braucht es ein wenig staatliche Mittel, um nicht von seinen Werbepartnern beherrscht zu werden. Es braucht aber vor allem eines: starken Journalismus für hohe Einschaltquoten. Alles Weitere lässt sich heute in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr finanziell tragen.»