Volketswil

Islamischer Kindergarten: Selbst Islam-Wissenschafter ist skeptisch

der islamische Kindergarten wurde nicht bewilligt (Symbolbild).

der islamische Kindergarten wurde nicht bewilligt (Symbolbild).

Das Zürcher Volksschulamt lehnt den Antrag auf einen islamischen Kindergarten ab. Islamwissenschafter Andreas Tunger-Zanetti kann den Entscheid der Behörde bis auf einen Punkt nachvollziehen. Er kritisiert aber den anstragstellenden Verein «Al Huda»

In Volketswil wird es vorerst keinen islamischen Kindergarten geben. Das hat das Zürcher Volksschulamt am Dienstag entschieden. Der Kanton lehnte den Antrag des Vereins Al Huda ab, der für den Kindergarten Räume in der Moschee von Volketswil vorgesehen hatte. Die zuständige Behörden kritisiert die Nähe der Antragssteller zum "Islamischen Zentralrat" (IZRS). Ein weiteres Argument gegen den islamischen Kindergarten ist das Konzept, dass nach der Medienmitteilung zu ungenau darin bleibt, wie der Kindergarten die Glaubensfreiheit vermitteln will.

Der an der Universität Luzern forschende Islamwissenschafter Andreas Tunger-Zanetti findet den Entscheid über grosse Strecken nachvollziehbar. Er betont aber, dass allein die Nähe zum "Islamischen Zentralrat" kein ausreichendes Argument sei, um den ablehnenden Entscheid zu begründen: "Die Mitgliedschaft bei einem Verein bedeutet noch nicht, dass man mit all seinen Werten übereinstimmt und ihm gegenüber unkritisch ist." Die Begründung des zuständigen Amtes ist aber differenzierter und kritisiert auch das mit dem Antrag eingereichte Konzept für den Kindergarten. Darin sieht denn auch Tunger die stichhaltigsten Argumente. Diese machen auch ihn skeptisch: "Ich glaube, dass ein islamischer Kindergarten mit mehr Offenheit in der Glaubensauslegung möglich wäre."

Der Verein Al Huda gibt sich auf seiner Homepage enttäuscht und empört. Sie sehen die Rechtsgleichheit der Religionen verletzt. Private Kindergärten von anderen Glaubensgemeinschaften wie zum Beispiel der "Israelitischen Religionsgemeinschaft" seien bewilligt worden. Andreas Tunger-Zanetti kann die Enttäuschung, aber auch die Vorsicht der Behörde verstehen: "Es gibt bisher noch keinen islamischen Kindergarten in der Schweiz. Da ist es klar, dass die Behörden den Fall besonders sorgfältig abklären." Als Vergleich können auch die anderen Privatschulen mit religiöser Ausrichtung dienen. Wichtig findet Tunger, dass diese nach den gleichen Massstäben überprüft werden.

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