Die Zahlen stammen allerdings aus dem Jahr 2004. Neuere Zahlen zur ganzen Bandbreite von Spitalinfekten in der Schweiz gibt es laut Professor Andreas Widmer vom Universitätsspital Basel aus finanziellen Gründen nicht. „Im Gegensatz zu den postoperativen Wundinfektionen ist die Datenlage gesamtschweizerisch nicht verfügbar, sodass wir auf Schätzungen angewiesen sind."

Doch die Zahlen aus dem Jahr 2004 seien heute noch aktuell. „Weltweite Schätzungen gehen von 5 bis 10 Prozent Spitalinfektionen aus", erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Da es in der Schweiz ungefähr eine Million Spitalaufnahmen gebe, könne man von 50-70‘000 Infektionen ausgehen. Diese reichen von kleineren Entzündungen der Wunde über Durchfall bis hin zu Blutvergiftungen oder Infektion der Organe.

Test mit Internventionsprogramm

Widmer, er ist in Basel Leiter der Spitalhygiene, geht davon aus, dass in den vergangenen Jahren die Infektionsrate einerseits gesunken ist. Dies dank der Intervention der Swissnoso Gruppe und erarbeiteten Richtlinien für Spitäler. „Es gibt aber auch einen Trend zur Zunahme, da die Bevölkerung in der Schweiz durchschnittlich länger lebt und ältere Menschen anfälliger sind für Infektionen und meistens nicht nur eine, sondern mehrere Leiden haben", sagte Widmer.

Sehr intensive Präventionsprogramme wie beispielsweise an der Intensivstation am Universitätsspital Lausanne (CHUV) hätten erreicht, dass sich die Infektionsrate mehr als halbiert habe, erklärte Widmer. „Das müssen wir gesamtschweizerisch umsetzen."

Alleine durch die Überwachung der postoperativen Infektionen, die mit dem ANQ-Bericht publik gemacht werden, erzielt man laut Widmer „eine Reduktion der Infektionsrate von 30 Prozent, wenn man diese Komplikationen ans OP-Team zurück meldet." 2014 wird zudem in einem Pilotprojekt mit zehn Partnerspitälern ein Interventionsprogramm zum Thema umgesetzt. Dabei wird unter anderem der Zeitpunkt der routinemässigen, wichtigen Antibiotikaprophylaxe kontrolliert.