Bruno Utz

Operativ lief das Geschäft der BKW letztes Jahr gut: «Das deutliche Umsatzwachstum von 24 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Franken drückt die starke Marktstellung der BKW aus. Es spiegelt aber auch den gestiegenen Wert der Energie», sagte Verwaltungsratspräsident Fritz Kilchenmann gestern an der Generalversammlung in Bern. Negativ zu Buche geschlagen hätten die Finanzmärkte und der Fonds zur Stilllegung und Entsorgung der Atomanlagen. Deshalb sei der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 88 Millionen auf noch 139 Millionen Franken gesunken (wir berichteten). Der Wert der BKW-Aktie sei in etwa im Gleichschritt mit dem schweizerischen Aktienindex SPI gesunken. Heute betrage der Börsenwert noch rund 4,4 Milliarden Franken.

Vergütungen an Verwaltungsräte

Laut dem Finanzbericht 2008 sanken auch die Vergütungen an die Mitglieder des Verwaltungsrates; von 1,413 Millionen Franken auf 1,255 Millionen. Erhielt Fritz Kilchenmann für sein Präsidium im Vorjahr 391 000 Franken vergütet, so waren es letztes Jahr noch 388 000 Franken. Die anderen ganzjährig tätigen acht Verwaltungsräte erhielten letztes Jahr Vergütungen zwischen 72 000 Franken (Barbara Egger, fliesst in die Staatskasse) und 108 000 Franken (Ueli Sinzig).

Gas-Projekt Utzenstorf bleibt

Ziel und Zweck der BKW sei die sichere, umweltverträgliche und kostengünstige Stromversorgung ihrer Kunden «mit einer angemessenen Rentabilität des Unternehmens», sagte Kilchenmann. Die bewährte Strategie der partnerschaftlichen Zusammenarbeit und der regionalen Verankerung werde weiter verfolgt. «Ziel ist: Die BKW liefert den Kunden Strom, den sie selber produziert.» Die Umsetzung der Strategie führe mitunter jedoch zu Diskussionen. Kilchenmann: «Jedes grössere Kraftwerksprojekt hat Gegner; das zu vermeiden ist in Europa heute unmöglich.» Im Rahmen ihrer Produktionsstrategie suche die BKW keine neuen fossil-thermischen Kraftwerksprojekte; die bereits bestehenden Projekte würden jedoch umgesetzt (vergleiche Artikel unten).

Wegen der noch ungewissen Entwicklung der Atomenergie im Inland halte sich die BKW einen beschränkten Zubau von Produktionskapazität auf der Grundlage von Gas offen, sagte der Verwaltungsratspräsident und verwies auf das Projekt in Utzenstorf.

Neue Atomkraftwerke

Direktionspräsident Kurt Rohrbach verwies auf die «über 200 neuen Projekte», mit denen die BKW ihre führende Position als Anbieterin von Ökostrom weiter ausbauen wolle. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 in der Schweiz über fünfzig Mal mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu produzieren als letztes Jahr.» Auch im Ausland investiere die BKW in erneuerbare Energien, vor allem in die Stromproduktion aus Windenergie. All diese Anstrengungen würden jedoch nicht ausreichen, um den steigenden Strombedarf in der Schweiz zu decken. «Nur wenn die vom Netz gehenden Atomkraftwerke in der Schweiz ersetzt werden können, wird es uns längerfristig gelingen, den schweizerischen Stromproduktionsmix weiterhin CO2-frei zu halten.»

Wasserkraft wird schwierig

Grosse Wasserkraftwerke könnten praktisch nur noch über Effizienzsteigerungen in den bestehenden Werken ausgebaut werden. In den nächsten Jahren liefen in der Schweiz zahlreiche Konzessionen aus. Er rechne damit, dass die neu erteilten Konzessionen generell höhere Restwassermengen verlangten. «Dieser Umstand sowie politische Vorstösse wie die Initiative «Lebendiges Wasser» mindern die Stromproduktion und machen es schon schwierig, die bestehenden Produktionsmengen zu halten», so Rohrbach.

Er verwies auf das Bauvorhaben der 50-Prozent-BKW-Tochter Kraftwerke Oberhasli (KWO). Weil für die Erhöhung der Grimselseemauer nach dem Bundesgerichtsentscheid definitiv eine Konzessionsänderung notwendig ist, seien auch zahlreiche Projekte im Rahmen des Investitionsprogrammes KWOplus blockiert. Bauvorhaben im Umfang von rund 900 Millionen Franken könnten deshalb derzeit nicht realisiert werden. Rohrbach: «Vor dem Hintergrund der Massnahmen zur Konjunkturförderung sorgt das bei mir für einen bitteren Nachgeschmack.»

Für das laufende Geschäftsjahr rechne er mit einem Umsatz im Rahmen des Vorjahres. Das operative Ergebnis dürfte jedoch unter den tieferen Energiepreisen und der unsicheren Konjukturlage leiden. Die 2008 vor Abschreibungen und Wertminderungen (EBIDTA) erwirtschafteten 471 Millionen Franken würden 2009 kaum mehr erreicht. Falls sich die Aktienmärkte auf tiefem Niveau zumindest stabilisierten, erwarte er jedoch einen höheren Reingewinn als im Vorjahr.