Profiteure der Krise
Jetzt reden die «Masken-Schnösel»: Wie zwei 23-Jährige mit Schutzmasken Millionen verdienten

Sie verkaufen der Armee teure Schutzmasken – jetzt erklären sich erstmals die beiden Zürcher Jungunternehmer. Und räumen auch Fehler ein.

Henry Habegger
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Am Anfang waren die Parallelimporte: Jungunternehmer Jascha Rudolphi von Emix Trading posiert vor einem Posten Handelsware.

Am Anfang waren die Parallelimporte: Jungunternehmer Jascha Rudolphi von Emix Trading posiert vor einem Posten Handelsware.

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Sie haben auf einen Schlag zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Jascha Rudolphi und Luca Steffen, beide 23 Jahre alt, Gründer der Handelsfirma Emix, die dem Bund im letzten Frühling für über 22 Millionen Franken Schutzmasken verkaufte. Bis zu 9.90 Franken zahlte die Armee den Jungunternehmern. Sie legten sich Luxusautos der Marken Bentley und Ferrari zu und ruinierten ihren Ruf gründlich.

Am Freitag sassen die beiden in einer Anwaltskanzlei in Zürich, zusammen mit ihrem Geschäftspartner, dem Wirtschaftsanwalt und Mitinhaber Peter Ackermann (62). Sie fühlen sich zu Unrecht derart angeprangert. Dass sie fette Gewinne in nicht genannter Höhe gemacht haben, bestreiten sie nicht, das gehört zum guten Ton im Geschäftsleben. Dass ihnen aber jetzt auch vorgeworfen wird, sie hätten dem Bund gefälschte und von unbrauchbare Ware verkauft, wollen sie sich nicht auf sich sitzen lassen.

So erzählen sie, wie alles kam.

Die Emix Trading Gmbh wurde im Januar 2016 in Uster ZH gegründet und ist heute in Zug domiziliert. Rudolphi machte das KV, Steffen die Matur, und sie hatten eine Geschäftsidee – Parallelimporte von Markenartikeln wie Coca Cola in die Schweiz. Anwalt Ackermann, ein Freund der Familie Rudolphi, sicherte das Geschäft rechtlich ab. Die ehrgeizigen Jungs belieferten mit ihrem Fiat Ducato Döner-Buden mit Getränken, verdienten zunächst 300 bis 500 Franken im Monat. Ihre Spezialität, so Steffen, war bald nicht mehr der Preis. Sondern die Fähigkeit, gewisse Artikel grau zu importieren, was sonst keiner schaffte. Diese Fähigkeit sollte ihnen später bei den Masken zugute kommen.

Der zweite Jungunternehmer, Luca Steffen, mit Markenartikeln, die Emix Trading auf dem Graumarkt besorgte. Daraus ging später das Geschäft mit den Masken hervor.

Der zweite Jungunternehmer, Luca Steffen, mit Markenartikeln, die Emix Trading auf dem Graumarkt besorgte. Daraus ging später das Geschäft mit den Masken hervor.

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Luxusgüter aus Europa in China verkaufen

2018 kamen die beiden auf die Idee, europäische Luxusgüter über das Internet in China zu verkaufen. Daraus ergab sich Anfang 2020 das Geschäft mit den Masken. Chinesische Partner machten sie auf die Pandemie aufmerksam, in China werde es Maskenpflicht geben, es brauche Unmengen von Masken. «Wir klapperten weltweit den Maskenmarkt ab.» Sie merkten, dass es kaum Vorräte gab. China brachte die Pandemie rasch unter Kontrolle, und den beiden war klar, dass Europa riesige Mengen brauchen würde. «Wir hatten eine zeitlichen Vorsprung auf alle anderen, das war das Entscheidende», sagt Steffen.

Sie warfen ihr ganzes Geld ein, reinvestierten die Gewinne, buchten riesige Lufttransportkapazitäten im Voraus, kauften Rohstoffe (Filtervlies) in Unmengen, weil sie Verknappung erwarteten. Von etwa 100 Herstellern in China bezogen sie Masken, richteten in China eine Maskenprüfanlage ein. Etwa 20 Prozent hätten sie schon in China aussortieren und vernichten müssen. Immer wieder verloren sie zudem Ware und Geld, durch Betrüger, Diebstahl, behördliche Beschlagnahmungen.

Dass sie die Masken in der Schweiz zu Wucherpreisen verkauft haben sollen, ärgert die Emix-Leute, die das ganze Unternehmen mit sieben Angestellten stemmten. Wer von Wucher rede, habe keine Ahnung, wie aufwendig es gewesen sei, Ware in derart grossen Mengen produzieren und nach Europa schaffen zu lassen: Gegen 1,5 Millionen FFP2-Masken verkaufte Emix an den Bund; 250 bis 300 Millionen Hygiene- und FFP2-Masken waren es laut Emix insgesamt. Sie nimmt für sich auch in Anspruch, in der Corona-Krise wertvolle Dienste geleistet zu haben. «In Italien starben Tausende von Menschen, es gab fast keine Masken, das war die Situation damals», sagt Rudolphi.

Marge von 20 bis 30 Prozent, sagt Emix

Die Marge, die die Emix in der Schweiz erzielte, liege bei maximal 20 bis 30 Prozent. «Das können wir belegen», sagt Steffen. Sie selbst hätten Einkaufspreise von zwischen 2 und 7 Euro für die Masken bezahlt. Firmen, die zu dieser Zeit zu tieferen Preisen geliefert hätten, hätten entweder Restposten vertrieben oder Lagerware, die vor Corona produziert wurde. Wegen Masken des ägyptischen Herstellers Chemipharm, die Emix Anfang März an die Armee verkaufte, gibt es Streit. Laut «Tages-Anzeiger» waren sie gefälscht. Emix, die auch diese Masken bei einem Händler in China bezogen hatte, weist das zurück. Wie auch den Vorwurf, sie hätten verschimmelte Ware verkauft.

Der Vorwurf rührt daher, dass das Genfer Unispital Schimmel bei Chemipharm-Masken entdeckt hatte, worauf das Verteidigungsdepartement (VBS) einen vorsorglichen Rückruf erliess. Eine Untersuchung durch die Universität Basel im VBS-Auftrag ergab später, dass eine gesundheitliche Gefährdung ausgeschlossen werden könne. Ganz besonders stossen sich die beiden am Vorwurf der Fälschung des Zertifikats, da dieses gar nicht dem VBS zugesandt worden sei.

Luxusautos und SVP waren eine Art Jugendsünde

Das mit den Luxusautos sei «ein Fehler» gewesen, sagten die beiden. Sie tun das als eine Art Jugendsünde ab. Mit der Jungen SVP, der sie angehörten, ja der SVP generell hätten sie beide schon seit längerer Zeit nichts mehr am Hut.

Dass sie auf Kosten der Steuerzahler reich geworden sein sollen, ärgert sie. Ihre Firma machte den weitaus grössten Teil ihres Umsatzes im umliegenden Europa, versteuert den Gewinn aber in Zug. Die beiden zahlen ihre Steuern in Schwyz. «So gesehen bekam die Schweiz die Masken gratis», sagt Steffen. Und noch etwas nehmen die Jungs für sich in Anspruch: Dass sie dank ihren Parallelimporten mithalfen, für tiefere Preise im Hochpreisland Schweiz zu sorgen. Lindt & Sprüngli etwa sei nicht gut auf sie zu sprechen, weil sie deren günstig im Ausland produzierte Ware in die Schweiz importierten.

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