Kanton Solothurn

Überzeugt sind die Kanti-Lehrer nur von den bereits gesetzten sechs Sek-PStandorten. Sturm laufen sie vor allem gegen eine Sek P im Niederamt mit zwei Standorten.

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Deutlich wurde in der Diskussion, dass es die Kanti-Lehrerschaft am liebsten bei den in der regierungsrätlichen Botschaft an den Kantonsrat gesetzten sechs Standorten belassen würde, nämlich in Olten, Solothurn, Laufen, Grenchen, Balsthal und Bättwil.

«Die weitere Regionalisierung der Sek-P-Standorte kostet viel und bringt nur Schaden», heisst es in einer Resolution, die gestern Nachmittag von rund 150 Lehrerinnen und Lehrern der Kantonsschulen Olten und Solothurn verabschiedet worden ist.

Denn: «Schülerinnen und Schüler, die das Progymnasium an einem neu geschaffenen Oberstufenstandort besuchen müssen, werden klar benachteiligt. » So könnten etwa kleinere Schulen nicht dieselben Bildungs-, Förderungs- und Stützmöglichkeiten anbieten wie grössere.

«Verwässerung des Projekts»

Die Kanti-Lehrerschaft lehnt es damit grundätzlich ab, dass Klaus Fischer dem Regierungsrat den Antrag unterbreiten will, im Gäu (Oensingen oder Neuendorf), im Wasseramt (Derendingen) und im Niederamt (Schönewerd und Obergösgen) je einen weiteren Sek-P-Standort einzurichten. Auf absolutes Unverständnis aber stösst, dass Fischer den Niederämter Gemeinden zugestanden hat, eine Sek P an zwei Standorten zu betreiben, eben in Schönenwerd und Obergösgen – mit je einer Klasse pro Jahrgang.

«Das bedeutet eine Verwässerung des Projekts, wie es die Regierung seinerzeit in der Botschaft an den Kantonsrat klar formuliert hat», kritisierte gestern etwa Christoph Siegel, Vorstandsmitglied des SKLV. So werde in der Botschaft klipp und klar gefordert, dass die einzelnen Standorte aus Qualitätsgründen mindestens zwei Parallelklassen pro Jahrgang führen müssen, und zwar «unter einem Dach».

Wenn Obergösgen und Schönenwerd jetzt damit argumentieren, dass sie die administrative Leitung «unter einem Dach» vereinen, dann sei das eine «sehr eigenwillige Interpretation», unterstrich SKLV-Präsident André Müller. Eine Interpretation, die sich nur damit erkläre, dass die beiden Gemeinden die Bedingungen einzeln nicht erfüllen können.

Hinzu komme, dass selbst beide Schulen zusammen nicht in der Lage seien, die geforderten Klassenbestände auf 10 Jahre hinaus zu garantieren – auch das eine Forderung in der regierungsrätlichen Botschaft. «Damit auch das legitimiert wird, erwirkt man beim Departement für Bildung und Kultur einen provisorischen Sonderstatus auf sechs Jahre», so der bissige Kommentar von SKLVPräsident Müller.

«Bildungsideal» und «Politik»

«Gelten die einmal gesetzten Bedingungen noch? Oder werden jetzt Tür und Tor geöffnet für regionalpolitische Begehrlichkeiten aller Art», lauteten die Fragen an den Bildungsdirektor. Dieser gestand gestern vor der versammelten Lehrerschaft: «Aus pragmatischen Überlegungen sind wir von gewissen Idealen abgerückt.»

Neben dem «Bildungsideal» gebe es eben auch die «Politik», die mitzuberücksichtigen sei. «Eine Front gegen die versammelten Niederämter Gemeinden aufzubauen, ist nicht so einfach», suchte Fischer – vergeblich – nach Verständnis.

Die Zugeständnisse im Niederamt würden indes nicht bedeuten, dass jetzt Tür und Tor für weitere Begehrlichkeiten geöffnet sind. «Im Raum Solothurn gelten nach wie vor die an einen Sek-P-Standort gestellten Bedingungen», unterstrich Fischer.

Weiter meinte er: «Die Einhaltung der geforderten Klassengrössen sind tatsächlich eine Herausforderung» – und er betonte: «Die Minimalbestände müssen erreicht werden, und zwar nicht mit einer künstlichen Aufstockung.» Die Evaluation nach sechs Jahren werde zeigen, ob das möglich ist. Wenn nicht, müssten die Niederämter Gemeinden einen entsprechenden (Schliessungs-)Entscheid akzeptieren.

Den Entscheid, wer einen Sek-P-Standort erhält, wird der Gesamtregierungsrat Ende April oder Anfang Mai fällen. «Ich werde der Regierung Ihre Bedenken unterbreiten», versicherte der Bildungsdirektor. In den Augen von Verbandspräsident André Müller ist das allerdings etwas mager: «Vom Bildungs- und Kulturdirektor hätten wir eigentlich erwartet, dass er die Dinge nicht einfach nur offenlegt, sondern dass er sich klar und deutlich für ein hochstehendes Bildungssystem einsetzt.» (mz/esf/wst)