Töff-Messe
Kein Jesus-Brot für Töff-Freaks

Viertausend warteten auf dem Berg. Sie waren arm und hungrig. Sie wollten unbedingt bei Jesus sein. Seine Jünger aber fühlten sich durch das viele Volk gestört und wollten alle wegschicken.

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Motorrad-Gottesdienst in Romanshorn

Motorrad-Gottesdienst in Romanshorn

Keystone

Viertausend warteten auf dem Berg. Sie waren arm und hungrig. Sie wollten unbedingt bei Jesus sein. Seine Jünger aber fühlten sich durch das viele Volk gestört und wollten alle wegschicken. Sie hatten nicht genug Brote und Fische dabei. Doch Jesus wies seine Jünger zurecht und teilte das Brot mit allen. So steht es in der Bibel.

Heute geht die Geschichte so: Seit 25 Jahren kommen jedes Jahr 4000 Biker von überall her auf den Simplon, um dort von Rockerpriester Charly Weissen Jesu Wort zu hören und das Brot Christi zu teilen. Charly kann das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen. Und wie vor 2000 Jahren wollen auch heute die Jünger Jesu – der Bischof von Sitten, sein Generalvikar und der Pfarrer von Brig – die 4000 Fans vom Berg ohne Brot wegschicken.

25 Jahre teilte Charly Weissen mit allen das Brot. Jetzt macht das Bistum per offizieller Mitteilung Hartherzigkeit zur Doktrin: Man habe «Bedenken, was die Würdigkeit der Feier betrifft». Die Priester werden eindringlich gebeten, nicht mit den Bikern eine Eucharistiefeier mit Kommunion zu feiern. Weil dort «neben Gläubigen» auch Menschen teilnehmen, die nicht katholisch sind «oder am Rande der Kirche stehen».

Das ist die perverse Umkehrung der biblischen Botschaft. Jesus teilte mit 4000 Randständigen das Brot. Und die Kirche, deren Kirchen leer sind, weist 4000 Töff-Pilger, die eine Feier mit Brot wünschen, als «unwürdig» ab. Hoffentlich finden die Simplon-Rocker noch einen Priester, der nicht nur mit Christen im Sonntagsgewand das Brot teilen will. Amen.