Bezirksgericht Bülach

Klebeband-Mord: Hielt Corine K. zum Haupttäter, um ihre Kinder zu schützen?

Corine K. sei laut Anwalt nicht im Bild gewesen über die Pläne ihres Ehemannes.

Corine K. sei laut Anwalt nicht im Bild gewesen über die Pläne ihres Ehemannes.

Im Klebeband-Mord-Prozess plädierten die Verteidiger für milde Strafen. Ehefrau und Freund von Thomas K. seien von ihm manipuliert worden.

Es ist ein unglaubliches Verbrechen. Ein Ehepaar und ein Freund begingen in verschiedener Zusammensetzung zuerst eine Reihe kleinerer Betrügereien. Dann, im Frühjahr 2016, tötete der Berner Unternehmer Thomas K. zwei Personen grausam mit Klebeband. Offenbar, um an deren Fahrzeuge zu kommen, die nur wenige zehntausend Franken wert waren.
Auch am vierten Verhandlungstag am Bezirksgericht Bülach wurde nicht klar, wie es zu einer solchen Eskalation kommen konnte.

Denn die drei Angeklagten widersprechen sich in ihren Teilgeständnissen. Der Hauptangeklagte Thomas K. behauptet, von einer serbischen Mafia zu den Taten gezwungen worden zu sein. Die Staatsanwältin nimmt diese Theorie so wenig ernst, dass sie nicht einmal in die Anklageschrift Erwähnung findet. Auch die beiden mutmasslichen Komplizen zweifeln daran.

Beide liessen zudem am Montag von ihren Anwälte darlegen, sie hätten mit Gewalt oder Tötungen nichts zu tun. Thomas K. habe sie nicht über seine kurz oder langfristigen Pläne informiert, als er zuerst einen ehemaligen Schulkameraden aus Bern und später einen Lastwagenverkäufer aus Zürich in seine Gewalt brachte und tötete.

Hielt sie zu ihm aus Mutterliebe?

Markus N. sei naiv und gutgläubig gewesen und habe den Fehler gemacht, sich nicht aus dem Staub gemacht zu haben, als Thomas K. in Zürich eine Waffe zog. Er sei darum nur wegen mehrfacher Freiheitsberaubung, Veruntreuung, Gehilfenschaft zum Raub und Irreführung der Rechtspflege zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen. Und nicht wegen Mordes.

Der Anwalt von Corine K. stellte seine Klientin als Mutter und Ehefrau dar, die ihre Kinder schützen wollte und ihrem Mann ergeben war. Quasi aus Mutterliebe habe sie auch noch zu ihm gehalten, als dieser getötet hatte. Sie habe ihre Kinder vor einer Scheidung schützen wollen. Zudem sei sie gewohnt gewesen, ihrem Mann zu gehorchen. Der Anwalt forderte für sie fünf Jahre Freiheitsstrafe für eine Reihe von Delikten (Raub, Begünstigung, Betrug, etc.), die sie zu einem grossen Teil lediglich in Gehilfenschaft begangen habe.

Strafmildernd müsse berücksichtigt werden, dass sie in der Presse vorverurteilt worden sei. Allerdings schwieg der gleiche Anwalt, als er von Journalisten um Stellungnahmen gebeten worden war. Ebenfalls strafmildernd müsse zudem berücksichtigt werden, dass das Privatleben von Corine K. unnötig vor Anwälten, Strafverfolgern und später in der Presse ausgebreitet worden sei.

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