Schweiz

Klebeband-Mord: Ist der Solothurner Markus N. naiv oder gerissen?

Markus N. habe nicht gewusst, dass Thomas und Corin K. die Leiche vergraben hätten, sagt sein Anwalt.

Markus N. habe nicht gewusst, dass Thomas und Corin K. die Leiche vergraben hätten, sagt sein Anwalt.

Der Verteidiger stellt den Garagisten als gutgläubigen Mitläufer dar. Er sei vom Haupttäter Thomas K. missbraucht worden.

Zwei Menschen erstickten im Jahr 2016 furchtbar, weil ihnen der Berner Unternehmer Thomas K. die Atemwege mit Klebeband verschloss. Ziel war es mutmasslich dessen Fahrzeuge zu entwenden. Die Taten werden zurzeit vor dem Bezirksgericht Bülach verhandelt. Der Haupttäter Thomas K. ist teilweise geständig. Offen ist noch die Frage, wie viel seine Ehefrau Corine K. und sein damaliger bester Freund Markus N. von den Taten wussten. Beide waren dabei oder zumindest teilweise eingeweiht, als die beiden Männer überwältigt wurden.

Am Morgen des vierten Prozesstages stellte der Anwalt von Markus N. diesen als naiven und leichtgläubigen Mitläufer dar, der vom Haupttäter Thomas K. missbraucht worden sei. Er habe nicht von der ersten Tötung eines Serben im April 2016 aus Bern gewusst. Zudem sei er im Juni 2016 nicht von einem Gewaltdelikt ausgegangen, als er zusammen mit Thomas und Corine K. in den Kanton Zürich fuhr, um einem Spediteur einen Lastwagen zu stehlen, den dieser im Internet zum Verkauf angeboten hatte.

Solothurner sei völlig überrascht gewesen

Er sei völlig überrascht gewesen als Thomas K. während einer vermeintlichen Probefahrt eine Pistole zückte und den Verkäufer des Lastwagens überwältigte. Der Anwalt räumte ein, dass sich Markus N. hätte entfernen müssen, als er realisierte, dass es nicht nur um einen Betrug ging. Er habe sich damit der Gehilfenschaft zum Raub schuldig gemacht. Von der späteren Tötung des Verkäufers am Wohnort der Ks auf einem Berner Bauernhofes habe er nichts gewusst.

Erst als er im Auftrag von Thomas K. den gestohlenen Lastwagen in Deutschland verkaufen wollte und bereits die Polizei im Anrücken war, habe Markus N. von den Tötungen erfahren.

Anwalt fordert Strafe, die schon fast abgesessen ist

Der Anwalt warnte davor, die drei Angeklagten in den gleichen Topf zu werfen. Der Haupttäter Thomas K. habe die Tötungen alleine ausgeführt und sei auch bei den anderen Straftaten federführend gewesen. Er habe seinen damaligen Freund manipuliert. Markus N. sei aber in die Pläne von Thomas K. nie eingeweiht gewesen. Markus N. sei ein Mitläufer, der seinem Freund vertraut und zu ihm aufgeschaut habe.

Der Anwalt betonte, dass nur das Geständnis von Markus N. dazu geführt habe, dass auch die anderen Angeklagten weiter Aussagen gemacht hätten.

Für die Delikte mehrfache Freiheitsberaubung, Veruntreuung, Gehilfenschaft zum Raub und Irreführung der Rechtspflege solle Markus N. zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt werden. Diese Strafe hätte er schon beinahe abgesessen. Er befindet sich seit drei Jahren und dreieinhalb Monaten in Untersuchungshaft.

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