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«Lambada»-Todesfahrer Sascha Campi: «Ich bin kein Opfer – aber auch ein Täter leidet»

Lambada-Unfallfahrer: «Ich bin kein Opfer. Aber auch ein Täter leidet.»

Im Februar 2012 fährt Sascha Campi an der Langstrasse in eine Menschenmenge. Ein Mann stirbt, weitere Personen werden schwer verletzt. Sofort wurde er von den Medien als Lambada-Amok bezeichnet. Im Gefängnis schrieb Sascha Campi ein Buch über die Verurteilung durch die Medien – und über die Leiden eines Täters.

Am Abend des 10. Februars 2012 raste Sascha Campi in in der Zürcher Langstrasse in eine Menschenmenge vor der Lambada Bar. Eine Person stirbt. Mehrere werden verletzt.

Wenige Stunden später betitelten die Medien ihn bereits als «Amokfahrer» und «Vergewaltiger». Die vermeintliche Amokfahrt war ein Unfall – die angebliche Vergewaltigung einer Prostituierten kurz davor bestritt der damals 25-jährige Schönenwerder stets.

Verurteilung und Teilfreispruch

Dennoch verurteilte ihn das Zürcher Bezirksgericht im April 2014 zu einer 15-jährigen Haftstrafe. Das Gericht sprach ihn der schweren Vergewaltigung, schweren sexuellen Nötigung, versuchten schweren Körperverletzung, fahrlässigen Tötung und diverser weiterer Delikte schuldig. 

Campi zog das Urteil mit seinem zweiten Anwalt Valentin Landmann weiter vors Obergericht. Dort kam es im Januar 2015 zu mehreren Teilfreisprüchen und einer Reduktion der Strafe um siebeneinhalb Jahre.

«Vom Fuchs zum Wolf – eine Milieu-Halbweltgeschichte»

Inzwischen befindet sich der heute 32-Jährige im offenen Strafvollzug. Die Zeit im Gefängnis hat der Solothurner genutzt, um zu schreiben: «Vom Fuchs zum Wolf – eine Milieu-Halbweltgeschichte» – so lautet sein Buch über seine Zeit im Milieu, seine Haftstrafe, seine Reue – aber besonders auch über seine Vorverurteilung durch die Medien.

In der Sendung «TalkTäglich» spricht er nun darüber und wie er zusammen mit seinem Verteidiger Valentin Landmann für Gerechtigkeit kämpft. «Für die Öffentlichkeit ist es wichtig erkennen zu können, wie so eine entsetzliche Sache überhaupt passieren kann», rechtfertigt Landmann das egozentrische Buch seines Klienten.

«Ich habe schlimme Dinge verursacht, habe Fehler gemacht und bin zurecht im Gefängnis gelandet», sagt Sascha Campi – aber er sei medial mit Spekulationen grob zerrissen worden. Moderator Markus Gilli kritisiert Campi, dass er den Opfern und Angehörigen im Buch keine Aufmerksamkeit gebe – er stelle sich selbst ins Zentrum und in die Opferrolle.

Der 32-Jährige kontert: «Ich bin bestimmt kein Opfer. Aber ich will auch zeigen, dass auch ein Täter leidet.» Er habe Fehler gemacht und schlimme Taten begangen, aber er habe nicht bewusst ein Verbrechen begangen. Sein Buch sei einfach einmal die andere Sicht, es sei die Täter-Perspektive. «Auch ich habe Albträume.»

Hier können Sie die ganze Sendung nachschauen: 

«Vom Fuchs zum Wolf – Eine Milieu-Halbweltgeschichte»

«TalkTäglich» mit Langstrasse-Unfallfahrer Sascha Campi und seinem Anwalt Valentin Landmann.

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