Hilfe für Schüler

Lehrer fordern, dass die Corona-Bildungslücken gefüllt werden

Jedem Kind ein eigenes Gerät: So lautet die Forderung des Lehrerverbands..

Jedem Kind ein eigenes Gerät: So lautet die Forderung des Lehrerverbands..

Der Lehrerverband will Hilfe für Schüler, die wegen des Fernunterrichts abgehängt wurden - und eine Digitalisierungsoffensive in Schweizer Klassenzimmern.

In vielen Deutschschweizer Kantonen ist gestern das Leben in die Klassenzimmer zurückgekehrt. Im Gepäck haben die Schüler Erinnerungen an einen besonderen Sommer. Und hie und da auch ein Defizit, das sich während des coronabedingten Fernunterrichts in den Monaten davor angesammelt hat. Forscher der Pädagogischen Hochschule Zug gehen davon aus, dass ein Drittel von ihnen in dieser Zeit wenig gelernt hat. Das sagt Studienleiter Stephan Huber vom Institut für Bildungsmanagement und -ökonomie.

Die Zahlen stammen aus dem Schul-Barometer. Bildungsforscher Huber hat die Studie mit seinem Team im März sehr zügig lanciert, um ein Stimmungsbild der Corona-Pandemie in der Schweiz, Deutschland und Österreich zu ermitteln. Befragt wurden hierzulande über 17'500 Personen, von Schülern über Lehrer, Schulleitern bis zu Eltern. Huber sagt, in der Krise hätte sich ein Graben noch weiter vertieft, der schon vorher ein Problem gewesen sei: «Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen waren besonders belastet.»

Ein Unterstützungspool für Schüler mit Defiziten

Auch beim Dachverband der Schweizer Lehrer (LCH) hat man diese Beobachtung gemacht. Die Zentralsekretärin Franziska Peterhans betonte an einer Medienkonferenz, dass sich die Schere weiter geöffnet habe. «Es gibt Kinder, die den Fernunterricht unbeschadet überstanden haben, vielleicht sogar für ihre digitalen Fähigkeiten profitieren konnten. Und dann gibt es jene, die fast nichts gelernt haben», so Peterhans.

Umso wichtiger ist es in den Augen des Lehrerverbands, den Schaden nun in Grenzen zu halten. Und das gehe nur, wenn zusätzliche Massnahmen getroffen werden, um zu verhindern, dass in Rückstand geratene Schüler völlig abgehängt werden. Zentralsekretärin Peterhans denkt an einen «Unterstützungspool», der gezielte Förderung in kleineren Gruppen ermöglichen soll, und an einen Ausbau des heilpädagogischen Angebots. «Es wurde viel investiert in die Bewältigung der Coronakrise», sagt Peterhans, «das muss auch in den Schulen passieren.»

Als die Coronakrise ausbrach, musste die Schulen blitzschnell den Unterricht aus der Ferne auf die Beine stellen. Und stiessen dabei auch an ihre Grenzen, weil nicht alle Schüler dafür ausgerüstet waren. Beat A. Schwendimann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des LCH, berichtet von Lehrern, die ihre Schützlinge nicht erreichen konnten, weil in manchen Familie für mehrere Kinder kein oder nur ein Laptop bereitstand. Er sagt, man müsse daraus Lehren ziehen: «Jede Schülerin und jeder Schüler in der Schweiz sollte mit einem Tablet oder einem Laptop ausgerüstet werden».

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Autor

Dominic Wirth

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