Leimental
Leimental ist zu langsam unterwegs

Um attraktiver zu sein, wünscht sich das Leimental schnellere ÖV-Verbindungen in die Stadt. Damit könnte das vom Autoverkehr stark belastete Gebiet etwas geschont werden.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Trotz Abstrichen gute Noten

Der Bericht stellt dem Leimental trotz Minuspunkten gute Noten aus, und zwar sowohl beim öffentlichen wie auch beim individuellen Verkehr (IV). «Bei Umfragen haben die Mitarbeiter internationaler Firmen unser Verkehrssystem hier spezifisch gelobt», berichtet Kommissionspräsidentin Lotti Stokar. Im Vergleich zu anderen Regionen herrschten hier «idyllische Verhältnisse».

Stokar selbst gibt sowohl ÖV wie IV die Note 5-6. Nur in den Stosszeiten macht sie bei beiden Abstriche, so dass es nur für eine knapp genügende 4 reicht. «Zu Spitzenzeiten findet man im Tram keinen Sitzplatz, und mit dem Auto steht man im Stau», fasst sie zusammen. Ersteres könnte sich dank der Taktverdichtung und neuer Buslinien ändern. Letzteres sei schwer zu lösen, weil etwa die Barrieren bei den Tramübergängen auch künftig zu stockendem Verkehr führen würden. (big)

Birgit Günter

Pro Tag fahren durch die Oberwiler Hauptstrasse 20 000 Autos. Damit belegt Oberwil den Spitzenplatz bei den am stärksten im Verkehr versinkenden Gemeinden des Leimentals. Doch auch die anderen stadtnahen Gemeinden ächzen unter der Last des Verkehrs. Viele Strassen sind bereits an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, beispielsweise die beiden Talachsen sowie die Querverbindungen bei Bottmingen und Therwil.

Doch auch beim Öffentlichen Verkehr weist das Leimental schwache Punkte auf, wie eine von der Verkehrskommission Leimental in Auftrag gegebene und gestern publizierte Studie zeigt. So dauert die Fahrt von weiter entfernten Gemeinden nach Basel zu lange, um noch attraktiv zu sein. «Je weiter weg von der Stadt, desto eher wird wieder auf das Auto gesetzt», erklärt Lotti Stokar, Oberwiler Gemeindepräsidentin und Präsidentin der Verkehrskommission.

Viel machen lässt sich da jedoch nicht, denn eine S-Bahn, wie sie das Birstal hat, ist teuer und liesse sich im engen Leimental zu einem grossen Teil nur unterirdisch realisieren, was die Kosten erst recht in die Höhe treiben würde.

Per Eiltram in die Stadt

Stattdessen schlägt die Kommission vor, die Variante eines Eiltrams zu prüfen. Dieses Tram würde dann nur an einer Haltestelle pro Gemeinde halten. Da ein durchbrausendes Tram aber gefährlich ist, müssten noch Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden - auch das nicht billig.

Ein weiterer Negativpunkt im Leimentaler ÖV-System ist, dass die Trams in den Spitzenzeiten stark ausgelastet sind. Zur Entlastung der Linien 10 und 17 wäre vorgesehen gewesen, die Linie 2 via Margarethenstich ins Leimental zu führen. Dieses Vorhaben ist nun aber gefährdet. Immerhin ist weiterhin vorgesehen, ab dem Jahr 2012 den Takt auf den bestehenden Linien zu verdichten.

Kaum Zunahme bei Autoverkehr

ÖV: Wer ihn am meisten, wer ihn am wenigsten nutzt

Binningen ist Top: In Binningen benutzen fast die Hälfte aller Pendler die öffentlichen Verkehrsmittel (43 Prozent). Rund 36 Prozent nehmen das Auto; die restlichen Prozente verteilen sich auf Fussgänger, Velofahrer oder anderes.

Biel-Benken ist flop: Die tiefste ÖV-Nutzungsquote weist mit 21 Prozent Biel-Benken auf. 60 Prozent benutzen in der nicht an einer Tramlinie angeschlossenen Gemeinde das eigene Auto.

Als faustregel gilt: Je näher eine Gemeinde bei der Stadt liegt, desto eher lassen die Pendler das Auto daheim. Nach Binningen mit 43 Prozent ÖV-Nutzern folgt Bottmingen mit 38 Prozent; in Oberwil sind es 34 und in Therwil 35 Prozent. (big)

Interessant an der Studie ist: Obwohl im Leimental in den vergangenen Jahren sehr viele Leute zugezogen sind, hat der Autoverkehr nur in den weiter von der Stadt entfernten Gemeinden zugenommen, nicht aber in Stadtnähe. «Der Verkehr durch Binningen ist seit 1973 praktisch konstant geblieben», heisst es im Bericht. Der Grund: Die Strasse ist bereits überlastet, und viele Pendler weichen deshalb auf den ÖV oder das Velo aus.

Trotzdem möchte die Verkehrskommission, in der Vertreter der 13 Leimentaler Gemeinden sowie der drei Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn sitzen, einmal geklärt haben, woher die vielen Autos auf der Strasse kommen. «Man achtet sich immer nur auf die Elsässer Nummern und gibt dann ihnen die Schuld an den verstopften Strassen», kritisiert Stokar. Dabei sei der Verkehr grösstenteils «hausgemacht». «Es wäre darum wichtig, einmal genau zu erfassen, woher die Autos kommen und wohin sie gehen.»

Ob ihr Appell in Liestal auf offene Ohren stösst, wird sich zeigen. Der von der Verkehrskommission selber bezahlte Bericht hat keine «Macht» und in dem Sinn keine Taten zur Folge. «Unser Ziel ist, dass Liestal uns als eine und nicht als 13 verschiedene Stimmen wahrnimmt - und unsere Sorgen und Anliegen ernst nimmt», sagt Stokar.

Ausserdem hofft man, mit den aufgezeigten Lösungswegen und Visionen einen Beitrag zu leisten an die Diskussion zur Südumfahrung. Diese ist so ziemlich der einzige Punkt, in dem die Mitglieder der Verkehrskommission geteilter Meinung sind.