Junglenker

Lernfahrausweis mit 17: Die Politik will die Notbremse ziehen

Mehr Fahrpraxis mit Begleitung: Mit diesem Argument will der Bundesrat das Mindestalter für den Lernfahrausweis senken.

Mehr Fahrpraxis mit Begleitung: Mit diesem Argument will der Bundesrat das Mindestalter für den Lernfahrausweis senken.

Der Lernfahrausweis soll weiterhin erst ab dem 18. Geburtstag beantragt werden können. Eine Grosszahl an Ständeräten will die vom Bundesrat vorgeschlagene Vorverlegung stoppen.

Fahrschüler sollen bereits mit 17 Jahren hinters Steuer sitzen dürfen. Gegen diese vom Bundesrat vorgeschlagene Änderung formiert sich Widerstand. Der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki beantragt per Motion, die Alterslimite wie heute bei 18 Jahren zu belassen. 30 Ständeräte von links bis rechts haben den Vorstoss mitunterzeichnet, die Annahme in der kleinen Kammer ist damit so gut wie sicher.

Der Bundesrat begründet die Senkung des Mindestalters mit Sicherheitsüberlegungen. Denn Junglenker sind überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt. Ein Grund dafür ist mangelnde Erfahrung. Darum sollen Lernfahrer künftig erst nach einem Jahr zur praktischen Prüfung zugelassen werden, sprich, wenn sie ein Jahr lang in Besitz des Lernfahrausweises sind. Damit die Prüfung nicht erst mit 19 Jahren absolviert werden kann, müsste folglich bereits mit 17 ein Lernfahrausweis ausgestellt werden.

Der Bundesrat verweist in seinem Bericht auf Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, wonach das Anfängerrisiko erheblich gesenkt werden kann, je länger eine Person sich unter Aufsicht im Verkehr bewegt.

"Mehr Geld für Fahrstunden"

Ständerat Hans Wicki führt gleich mehrere Argumente dagegen ins Feld. Längst nicht jeder habe die Möglichkeit, mit Eltern oder älteren Geschwistern zu üben. «Diese Jugendlichen haben am Ende mit der neuen Regelung nicht mehr Erfahrung, oder sie müssen sehr viel mehr Geld in Fahrstunden investieren», sagt Wicki.

Die Änderung sei aber noch aus einem anderen Grund unnötig. Schliesslich sei die Schweiz in Sachen Mobilität sehr gut aufgestellt. «Ein 17-Jähriger hat ein super ÖV-Angebot zur Verfügung und darf bereits auf einem Moped herumfahren», sagt Wicki. «Es reicht völlig, wenn er mit 18 Jahren zum ersten Mal hinters Auto-Steuer sitzt.» Nicht zuletzt brauche es aber auch nicht 40000 zusätzliche Automobilisten auf den bereits gut ausgelasteten Strassen. Ebenfalls skeptisch zur bundesrätlichen Vorlage geäussert hat sich der Fahrlehrer-Verband, allerdings aus anderem Grund. Das heute geltende Mindestalter von 18 Jahren sei «dem Reifegrad der Jugendlichen angemessen», heisst es in der Vernehmlassungsantwort des Verbandes.

100 Fahrstunden mit Beifahrer empfohlen

Positiver bewertet die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) die geplante Änderung. Diese führe zu mehr Fahrpraxis. Die bfu empfiehlt, dass Junglenker rund 100 Stunden mit einem Fahrlehrer oder einer anderen Begleitperson auf dem Beifahrersitz zurücklegen, bevor sie alleine auf der Strasse unterwegs sind. Zudem seien Lernfahrten ab 17 Jahren unproblematisch, schreibt die bfu weiter. Denn während der begleiteten Fahrten passierten praktisch keine schweren Unfälle.

Allerdings sei mit der Neuerung theoretisch möglich, ab dem 18. Geburtstag die Fahrprüfung abzulegen. Dies könne dazu führen, dass rund 40000 junge Fahrerinnen und Fahrer ein halbes Jahr früher auf die Strasse kommen. Ob dieser negative Punkt durch den positiven Effekt der längeren Lernfahrzeit kompensiert werde, müsse untersucht werden.

Vorstoss für Lernfahrausweis ab 16

Noch weitergehen als der Bundesrat will Wickis Parteikollege Philippe Nantermod. Der Walliser FDP-Nationalrat verlangt per Motion, den Lernfahrausweis bereits ab 16 Jahren einzuführen. Das vorgeschlagene Alter von 17 Jahren sei nicht ambitioniert genug, schreibt er in seinem Vorstoss. Jugendliche dürften bereits heute mit 16 Jahren Scooter fahren und nähmen somit de facto bereits am Verkehr teil.

Der Bundesrat lehnt eine weitere Senkung des Mindestalters auf 16 Jahre ab, wie er in seiner Antwort auf den Vorstoss schreibt. Ob er nach der Vernehmlassung an seinem Vorschlag mit der Senkung um ein Jahr festhalten wird, ist noch offen.

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