"Die Bevölkerung liess sich nicht von der Initiative verführen", sagte der Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser zur sda. Das Resultat sei ein klares Bekenntnis zum Erfolgsmodell Schweiz, schreibt das bürgerliche Nein-Komitee.

Erfreut zeigte sich auch Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Mit dem heutigen Entscheid sei der Wirtschaftsstandort weiterhin zuverlässig, berechenbar und wettbewerbsfähig, sagte er vor den Medien in Bern.

Aus Sicht von SVP-Nationalrat Jean-François Rime hätten die Bürger sehr wohl den Unterschied zwischen der Abzocker-Initiative und der JUSO-Vorlage verstanden. Die Frage der Lohnexzesse sei damit erledigt, betonte der Präsident des Gewerbeverbands.

Ins gleiche Horn stösst der Walliser CVP-Regierungsrat Jean-Michel Cina. "Man sollte nicht wegen ein paar Exzessen alles ändern", erklärte der Präsident der Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren (VDK).

Langer Marsch gegen Abzockerei

Trotz der deutlichen Niederlage stecken die linken Parteien den Kopf nicht in den Sand. Der Abstimmungskampf habe gezeigt, dass das Anliegen der Initiative auf breite Resonanz stosse, schreiben die Grünen. Für die Gewerkschaft Unia geht es jetzt um die Löhne ganz unten. Nur mit "anständigen" Mindestlöhnen lohne sich Arbeit für alle, schreibt die Gewerkschaft.

Mitinitiant und SP-Nationalrat Cédric Wermuth kündigte einen langen Marsch gegen Abzockerei und für eine gerechtere Verteilung der Einkommen an. Mit der 1:12-Initiative sei ein Grundstein gelegt. "Das nächste Mal werden wir weiter zulegen", sagte Wermuth im Schweizer Fernsehen SRF.

Bürgerliche gelassen bei Mindestlohn

Im Aufwind sehen sich dagegen die Gegner im Hinblick auf künftige Abstimmungen. Das heutige Resultat sei ein gutes Omen für ein Nein bei der Mindestlohn-Initiative, das im nächsten Jahr an die Urne gelangt. "Aber man darf das Volksbegehren nicht unterschätzen und muss weiter auf der Hut bleiben", sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay auf Anfrage.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) wertet die Niederlage indes nicht als Signal gegen den Mindestlohn. "Wir haben keine Angst. Unser Initiativtext beinhaltet andere Forderungen", sagte SGB-Präsident und SP-Ständerat Paul Rechsteiner zur sda.