Kritik

Mängel an Klinik für Herzchirurgie: Unispital Zürich nimmt Stellung – Kanton prüft rechtliche Schritte

Am Universitätsspital Zürich ist es in der Herzklinik zu verschiedenen Mängeln gekommen. Das bestätigt ein unabhängiger Prüfbericht.

Am Universitätsspital Zürich ist es in der Herzklinik zu verschiedenen Mängeln gekommen. Das bestätigt ein unabhängiger Prüfbericht.

An der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsspital Zürich ist es zu Fehlern in der Behandlung, beim Umgang mit Interessenkonflikten und wissenschaftlichen Publikationen gekommen.

(sat) Öffentlich wurden diese Mängel am Freitag durch die Tamedia-Zeitungen in einer grossen Recherche über den Direktor der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ, Artikel kostenpflichtig). In einer gleichentags verschickten Mitteilung nimmt das USZ Stellung zu den schwerwiegenden Vorwürfen gegen dessen Klinikleiter und publiziert den Prüfbericht einer Zürcher Anwaltskanzlei, welcher die Mängel im Detail auflistet. Dieser Bericht war unter Mitwirkung unabhängiger Herzchirurgen erstellt worden.

Das USZ gesteht dabei ein, dass die Information und Dokumentation in seiner Herzklinik teilweise nicht geltenden Standards entsprochen habe. Dies insbesondere in Bezug auf Aufklärungsgespräche mit Patientinnen und Patienten, Studiendokumentationen, den Umgang mit Behörden und die sorgfältige Abbildung von Forschungsergebnissen, hält das USZ in seiner Medienmitteilung fest.

Folgen für Klinikdirektor offen

Konkret wurden Komplikationen «nicht konsistent dokumentiert», bestätigte das UZS gegenüber den «Tamedia-Zeitungen». Ein Patientenformular war «ungenügend» und teils «nicht richtig». Zudem seien wichtige Angaben in einem Operations- und Austrittsbericht «nicht erwähnt» worden und mehrere wissenschaftliche Publikationen «teilweise geschönt» erschienen, in einem Fall gar «stark irreführend», bestätigte das UZS die Recherche. Dabei sollen Komplikationen, die nach der Weltpremiere einer neuen Operationsmethode auftraten, schlicht weggelassen worden sein.

Laut den Tamedia-Zeitungen ist die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich Anfang Mai über das Ergebnis des Prüfberichts informiert worden. Weitere aufsichtsrechtliche Schritte würden nun geprüft. Der kritisierte Direktor der Herzklinik reagierte gegenüber den Tamedia-Zeitungen nicht persönlich auf die Vorwürfe. Und auch das USZ nimmt in seiner Mitteilung nicht direkt Stellung zum Klinikdirektor und allfälligen Folgen für diesen. Gegenüber den Tamedia-Zeitungen stellt sich das Spital jedoch hinter ihn. Man verfüge mit dem Klinikdirektor der Herzchirurgie über einen «hervorragenden, international anerkannten Chirurgen und eine innovative Persönlichkeit».

Keine Bereicherung oder Patientengefährdung

Dennoch hält das UZS in seiner Mitteilung fest, die Spitaldirektion sehe «umfassenden Handlungsbedarf» bei seiner Herzchirurgie-Klinik. Darum sei auch ein weitreichender Massnahmenplan entwickelt worden, dessen Umsetzung bereits laufe. Konkret wird die Klinik verpflichtet, alle festgestellten Mängel zu beheben. Zudem erhält sie eine Fachperson zur Seite gestellt, welche die Umsetzung der hauseigenen Qualitätsanforderungen überprüfen soll.

Erleichtert nimmt das Universitätsspital dagegen zur Kenntnis, dass in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte der schwerwiegende Verdacht habe ausgeräumt werden können, dass eine persönliche Bereicherung oder unsachgemässe Handlung stattgefunden habe. Auch hätten keine Hinweise gefunden werden können, dass Patientinnen oder Patienten je gefährdet waren.

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