Kantonsarzt gibt Tipps

Maske bei der Bushaltestelle anstatt beim Waldlauf: Was wir im Alltag tun können, um gemeinsam Corona in den Griff zu bekommen

Um Ansteckungen zu verhindern, kann man einiges tun, nicht alles macht aber Sinn. (Symbolbild)

Um Ansteckungen zu verhindern, kann man einiges tun, nicht alles macht aber Sinn. (Symbolbild)

Man soll auch bei Privattreffen über Schutzmassnahmen reden: Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen erklärt, wie jeder einzelne einen Beitrag leisten kann, damit wir der Coronakrise nicht hilflos ausgeliefert sind.

Thomas Steffen verbreitet Optimismus: «Die Massnahmen zeigen erste positive Wirkungen, die dynamische Zunahme bei den Neuinfektionen ist gebremst», sagte der Basler Kantonsarzt und Vorstandmitglied der Vereinigung der Kantonsräte am Dienstag vor den Medien in Bern. Doch leider müsse man davon ausgehen, dass die Bemühungen zur Eindämmung des Coronavirus noch nicht ausreichten, um die Fallzahlen auf ein ausreichend tiefes Niveau zu drücken. Steffen gab deshalb sieben Tipps für praktischen Gesundheitsschutz, um gut durch den Winter zu kommen. Inspiriert wurde er von seinen Alltagserfahrungen als Kantonsarzt.

Masken tragen und Abstand halten ist besser

Eine Maske tragen sei gut, wenn man den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten könne. «Noch besser ist es, Abstand halten und Maske tragen», sagt Steffen. Es falle nämlich auf, dass die Maske häufig als Ersatzmassnahme für das Abstandhalten zum Zug komme - auch in Situationen, in denen man den Abstand einhalten könnte.

Masken beim Waldlauf sind nicht nötig - an der Bushaltestelle schon

Wer einsam durch den Wald spaziert oder joggt, kann dies aus epidemiologischer Sicht bedenkenlos unmaskiert tun. «Wir tragen die Masken besser an der Bushaltestelle. Aber dort klappt es noch nicht immer», sagt Steffen.

Homeoffice reduziert Kontakte

Steffen lobt die Unternehmen für die Schutzkonzepte am Arbeitsplatz. Dumm nur: Wenn sich die Leute zum Mittagessen treffen, gehen die Massnahmen oft vergessen. Steffen appelliert deshalb, das Homeoffice noch stärker zu forcieren. «Das bedeutet weniger Ansteckungsmöglichkeiten.»

Bei Verdacht testen

Oft zeigen sich Personen überrascht, wenn ihr Coronatest positiv ausfällt - weil sie bloss ein wenig Kopfschmerzen hatten oder eine kleine Störung des Geschmacksinns. «Wenn das Bauchgefühl sagt, man könnte sich infiziert haben, sollte man sich testen lassen», sagt Steffen. Es seien genügend Tests vorhanden.

Gut ist besser als perfekt

Steffen braucht das gleiche Bild wie Bundesrat Alain Berset: Die Bewältigung der Coronakrise gleicht einem Marathon. Damit der Schnauf nicht während des Rennens ausgeht, rät Steffen, Schutzmassnahmen umzusetzen, die man während Monaten durchziehen kann. Er hat schon beobachtet, dass Zugpassagiere das Tischchen innert einer halben Stunde viermal desinfiziert haben. «Das braucht viel Energie und macht wenig Sinn. Einmal genügt.»

Bei privaten Treffen über Schutzmassnahmen reden

Es ist eine Tatsache: Viele Ansteckungen erfolgen im privaten Umfeld. Man rede zwar andauernd über Corona, doch kaum über Schutzmassnahmen im privaten Rahmen, stellt Steffen fest. Man habe dort oft das trügerische Gefühl, man kenne ja die Leute und werde nicht mit Corona infiziert. Steffen rät, sich zu unterhalten, wie man ein privates Treffen sicher gestalten kann. Diskussionsthemen seien etwa die Platzierung, das Abstandhalten und eventuell Masken.

Auf die eigene Psyche achten

Eine Frau mit einer psychischen Belastung hat Steffen Folgendes geschildert: Sie beobachte, wie nervös und belastet Personen wirkten, die unter keiner psychischen Beeinträchtigung litten. Steffen rät: «Schaffen Sie sich Ruheinseln, auf denen Corona nicht im Mittelpunkt steht.»

Autor

Kari Kälin

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