Strasse

Mehr Verkehr wegen Grossausbau der Autobahn? Burkart: «Das ist eine alte Ideologie der Grünen»

"Automatisiertes Fahren wird mehr Verkehr bringen - und nicht weniger."

Mehr Verkehr durch automatisiertes Fahren? Die besten Szenen aus dem "Talk Täglich" mit Burkart und Glättli. Den ganzen Talk finden Sie am Textende.

Der Bund will das Autobahnnetz massiv ausbauen. FDP-Nationalrat Thierry Burkart verspricht sich eine Verkehrsentlastung in Dörfern und Städten. Sein Ratskollege Balthasar Glättli (Grüne) spricht von einer «Scheinlösung».

Die Schweizer Autobahnen sind überlastet. Geht es weiter wie bisher, droht das System dereinst zu kollabieren. Deshalb will der Bundesrat grosse Teile des Autobahnnetzes auf sechs Spuren ausbauen. Das sei nötig, sagt Thierry Burkart, TCS-Vizepräsident und Aargauer FDP-Nationalrat. Die Nationalstrasse sei die effizienteste Strasse, darum müsse man den Verkehr dort flüssig halten. Im "Talk Täglich" auf "Tele Züri" erklärt er, warum: "Weil die Nationalstrassen heute verstopft sind, weicht viel Verkehr auf kantonale und kommunale Strassen aus."

Der Fraktionschef der Grünen im Nationalrat, Balthasar Glättli, hält wenig von diesem Argument. Er spricht von einer "Scheinlösung". In Städten und Dörfern könne man die Strassen nicht auf sechs Spuren erweitern. Dort komme der Verkehr von der Autobahn aber wieder hin. "Selbst wenn man dann auf der Autobahn ein bisschen schneller fahren kann, steht man am Schluss wieder im Stau", sagt Glättli.

Nicht gegeneinander ausspielen

Sowieso ist der Zürcher überzeugt: "Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten." Burkart sieht darin eine "alte Ideologie der Grünen, die nicht stimmt". Ihm ist es wichtig, dass Individual- und öffentlicher Verkehr nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es brauche wegen der steigenden Mobilität Investitionen auf beiden Seiten. Ein stockender Verkehrsfluss koste die Volkswirtschaft viel Geld und Arbeitsplätze.

Glättli findet es hingegen "schizophren, jetzt Milliarden in die Strasse zu investieren". Im Bundesamt für Strassen macht er eine "Betonmentalität aus den Sechzigerjahren" aus. Er vermisst Lösungen, die dem Klimaschutz und der technischen Entwicklung Rechnung tragen. Ihm schweben Alternativen vor: überflüssigen Verkehr eliminieren, Wohnen und Arbeiten näher zusammenbringen. "Land das verbaut ist, wird nie wieder zurückgebaut", sagt Glättli.

Technik alleine löst keine Probleme

Burkart kontert, moderne Technik wie Carsharing könne das Verkehrswachstum nicht auffangen. Im Gegenteil: Er prognostiziert mehr Verkehr wegen der E-Mobilität: "Automatisiertes Fahren ergibt mehr Verkehr." Wer nicht oder nicht mehr Auto fahre, könne dann wieder – zum Beispiel ältere Menschen.

In einem Punkt zeigt sich Burkart mit Glättli einverstanden: "Wir werden nicht ewig weiterbauen können." Aber es gelte, alle Modelle weiterzuentwickeln. Der FDP-Nationalrat sagt: "E-Mobilität soll man fördern, aber das andere nicht einfach verbieten."

Den ganzen Talk sehen Sie hier:

Autobahnausbau auf 6 Spuren

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